Vorwort
von Hans Georg Oswald, IM, Vorstandsmitglied im Verein für Heimatgeschichte Pfeffenhausen
Die Kulturepoche der Kelten prägt Pfeffenhausen und seine Bewohner bis zum heutigen Tag in Sprache, Brauchtum und Charakter. Der Heimatverein hat es sich zum Jahresthema gemacht, sich auf Spurensuche nach unseren keltischen Vorfahren und deren Erbe zu begeben. Dabei gab es wieder Neues zu entdecken, wie der hier beschriebene, sensationelle Fund zeigt. Mit dieser Mikroforschung wollen wir diese Epoche in ihrem regionalen Kontext besser verstehen, indem wir versuchen, die früheren keltischen Bewohner sowohl geographisch, stammesmäßig, als auch in der zeitlichen Abfolge der bedeutenden geschichtlichen Ereignisse einzuordnen.
Das künstlerisch hervorragende Fundstück ist sehr fein gearbeitet in einer auch für damalige Verhältnisse exzellent ausgeführten Bronzegusstechnik. Bei der Wiedergründung des Vereines für Heimatgeschichte Pfeffenhausen e.V. legte ein Heimatsammler, der auch Mitglied unseres Vereins ist, diesen Oberflächenfund aus dem Gemeindegebiet Pfeffenhausen vor. Es handelte sich um eine doppelköpfige Vogelschlangen-Gewandfibel aus Bronze in S-Form aus der Keltischen Kulturepoche der jüngeren Eisenzeit.
Einhundert keltische Stämme
Vor zwei- bis dreitausend Jahren teilten sich etwa 100 verschiedene keltische Stämme Mitteleuropa unter sich auf. Wer waren die Kelten und woher kamen sie? Die Ur-Kelten waren aristokratisch organisierte Reiterkrieger und Hirten. Diese Eroberer versklavten schließlich die alten, sesshaften Bauernkulturen an Donau und Rhein, um letztendlich mit ihnen zu verschmelzen. Lediglich nördlich der Linie Holland, Leipzig und Breslau konnte sich das freie, germanische Bauerntum behaupten. Ein Kerngebiet der Kelten lag zweifellos entlang der Donau, mit Manching und Kelheim (Alkimoennis, keltisch) im Zentrum.
Das keltische Oppidum (Stadt) „Alkimoennis“ lag auf dem Michelsberg bei Kelheim. Dort befindet sich heute die von König Ludwig dem Ersten erbaute Befreiungshalle, ein beliebtes Ausflugsziel. Der Michelsberg liegt etwa dreißig Kilometer nördlich von Pfeffenhausen, auf einer Landzunge zwischen den Flüssen Alcomona (keltisch) = Altmühl und dem Danubius (römisch)= Donau. Julius Cäsar verwendete den Begriff Oppidum für die keltischen Städte. Im Oppidum Alkimoennis bei Kelheim wurde im großen Stil von den Kelten Eisenerz im Tagebau gewonnen und verhüttet.
Abb. 3: Auf dem Michelsberg im Mündungsdreieck der Flüsse Donau und Altmühl (keltisch Alcomona) befand sich vor 2200 Jahren eine keltische Stadt mit dem keltischen Namen Alkimoennis. Im Jahre 1863 wurde dort die Befreiungshalle feierlich eingeweiht. Das Bild stammt von einer Postkarte aus der Zeit um die Jahrhundertwende. (Bild folgt in Kürze)
Bekannte keltische Oppida waren zum Beispiel Lutetia (Paris), Basel, Bern, Preßburg und Budapest. Das größte und am besten ausgegrabene und erforschte Oppidum befand sich jedoch in Manching bei Ingolstadt, ebenfalls an der Donau. Es ist mit 650 Hektar Siedlungsfläche und Mauerring das größte bekannte Oppidum in Mitteleuropa. Um die gewaltige Größe zu veranschaulichen, sei zum Vergleich das antike Rom angeführt, das zur selben Zeit mit 1370 ha ummauerter Fläche lediglich doppelt so groß wie die Keltenstadt in Manching war. Auch die mittelalterlichen Mauerringe von Nürnberg, Köln und Frankfurt waren wesentlich kleiner als der Mauerring von Manching, das ebenfalls nur 35 Kilometer westlich von Pfeffenhausen liegt. Pfeffenhausen befindet sich also im Einzugsbereich der beiden größten bekannten Oppida Europas und an einer Fernhandelsroute zwischen Bologna und der Keltenstadt Alkimoennis auf dem Michelsberg bei Kelheim.
Aufgrund der Nähe zu Kelheim und Manching ist ist daher auch nicht verwunderlich, daß in der Umgebung von Pfeffenhausen zwei keltische Viereckschanzen gibt, eine davon in beeindruckend gutem Zustand in einem Wald zwischen Oberlauterbach und Wildenberg. Diese sogenannte Keltenschanze ist auch heute noch als imposante, quadratische Anlage auch für jeden Laien gut erkennbar und begehbar. Allerdings pflegten die Kelten Ihre Bauwerke in Fachwerk-Holzbau, Holzblockbau oder Holzständerbauweise aufzuführen, welche aufgrund des langen Zeitraumes von über zweitausend Jahren leider scheinbar vollständig vergangen sind. Gräben und Wälle sind aber noch erstaunlich gut erhalten. Die Palisadenmauern der Viereckschanzen waren (Graben nicht mitgerechnet) 5 Meter über dem Laufhorizont.
Abb. 4: Die imposante Keltenschanze Oberlauterbach von der nordöstlichen Ecke aus gesehen. Da die Ecken eine deutliche Erhebung aufweisen, kann man daraus schlussfolgern, dass markante Ecktürme vorhanden waren. Die Anlage wurde vor ca. 2100 Jahren errichtet. (Bild folgt in Kürze)
Von welchem Keltenstamm trägt der Volksstamm der Bayern seinen Namen? Wie unschwer zu erkennen, ist dies der Keltenstamm der Boier. Ausgelöst durch Übervölkerung, Weissagungen und natürlich geleitet durch die Beobachtung des Vogelzuges nach Süden, überschritten die Boier die Alpen in den Jahren 534 bis 508 vor Christi Geburt (v.Chr.G.) bzw. vor unserer Zeitenwende (v.u.Z.), und erreichten Norditalien. Die dort ansässigen Etrusker waren weder mit der Waffe der Boier, dem eisernen Langschwert, noch mit ihrer Kampfesweise zu Pferde vertraut.
Der Keltenstamm der Boier konnte deshalb die Etrusker in Norditalien dauerhaft besiegen und gründete die Keltenstadt Bononia, das heutige Bologna. Nachdem aber die Römer nach und nach erstarkten, besiegten sie dreihundert Jahre später im Jahre 222 v.Chr.G./v.u.Z. die Kelten und verdrängten diese nach Norden, wo sie sich nördlich der Donau in Böhmen niederließen, da das Land südlich der Donau vom mächtigen Keltenstamm der Vindeliker bereits besetzt war. Die Boier gaben auch Böhmen seinen Namen von Boiohaemum = Boierheimstatt = Böhmen. Der Begriff „Boier“ soll etymologisch Rinderhirte/Viehhirte bedeuten.
Abb. 5: Der Almabtrieb geht auf eine lange Tradition zurück. Man feiert die Rückkehr der Kühe von den Almwiesen. Wenn kein Unglück geschehen ist, und alle Tiere vollzählig sind, werden Sie aus Dank mit Zweigen, Blumen, Bändern und Glocken geschmückt. Die Kuh, die am meisten Milch gegeben hat, trägt die größte Glocke . Im Tal werden die Kühe den Besitzern übergeben. Danach findet ein Fest statt mit alpenländischer Musik, Tanz und leckeren regionalen Gerichten. (Bild folgt in Kürze)
Sogenannte keltische Viereckschanzen finden wir immer in der Nähe von bedeutenden Fürsten- oder Stammessitzen, so auch in Manching. Der Keltenstamm der Vindeliker teilte sich in vier Teil-Stämme auf. Vermutlich befand sich sowohl in Pfeffenhausen, als auch im Wald zwischen Oberlauterbach und Wildenberg die keltische Hügelfestung eines Stammesfürsten. In der Tat befindet sich neben der Viereckschanze im Wald bei Oberlauterbach ein weiteres Bodendenkmal, das in den Wanderkarten als Burgstall, also ehemalige Burg bezeichnet ist. Diese Burg war auf einer markanten Hügelkuppe errichtet und Sitz des mittelalterlichen Rittergeschlechtes der Ebranen, die nach einer Fehde zerstört wurde. Danach teilten die Ebranen ihre Herrschaft auf. So entstand das Wildenberger Schloss und die Oberlauterbacher Burg, die später jedoch zerstört, und danach im italienisch-französischen Architekturstil wiederaufgebaut wurde, und heute als Schloss Oberlauterbach bekannt ist. Der vermutete, aber archäologisch noch nicht gesicherte keltische Sitz des Stammesfürsten könnte sinngemäß in der Nähe der markanten späteren Burg der Ebranen sein.
Abb. 6: Schloss Wildenberg (Bild folgt in Kürze)
Worin lag die Funktion dieser quadratischen Erdwerke von 50 bis 100 Meter Seitenlänge? Mit großer Sicherheit waren die Keltenschanzen kulturelle Zentren und Veranstaltungsorte für die mindestens acht alljährlich stattfindenden traditionellen Jahresfeste zu den Sonnenwenden, Tagundnachtgleichen, Götterfesten, Richttagen, Erntezeiten, Opferungen, Markttagen, Sklavenhandel, Viehhandel, Handel mit Fellen, Bernstein, Schwertern, Eisen, Salz, Honig, Wachs etc. Bei Ausgrabungen vergleichbarer Denkmäler wurde das Vorhandensein von tempelartigen Holzständerbauten mit quadratischem Grundriss und pagodenartigem Dach nachgewiesen. Es handelt sich bei den sogenannten Viereckschanzen also um sowohl militärische Anlagen eines Stammesfürsten, welche das Stammesheiligtum beinhaltete. Die Viereckschanzen sind als eine Mischung aus mittelaterlicher Burg und römischem Kastell zu denken, mit umfangreichen Stallungen für die Reitpferde, die den wertvollsten und lebensnotwendigsten Besitz der Kelten ausmachten. Es kann auch vermutet werden, dass in den Keltenschanzen auch das Opfervieh rituell von Druidenpriestern geschlachtet, zubereitet und im Rahmen von Festen gegessen wurde. Außerdem wurde dort auch der Sklavenhandel, Söldnergeschäfte, Viehhandel und Fernhandel von der Priesterschaft abgewickelt und mit Abgaben belastet.
Abb. 7: Modell einer süddeutschen keltischen Befestigungsanlage. Die Art der Dachdeckung ist authentisch ausgeführt mit ca. 50cm langen mit dem Beil gehauenen Holzschindeldeckung. (Bild folgt in Kürze)
Der Ursprung der Kelten liegt in einem namentlich nicht überlieferten Stamm aus dem Donauraum, welcher durch die Fähigkeit der Herstellung von Langschwertern aus geschmiedetem Stahl eine überlegene Position im Verhältnis zur übrigen angestammten Urbevölkerung einnahm. So entwickelte sich der Stamm der Urkelten zu Reiterkriegern, die sich überwiegend von Milchprodukten und Käse ernährten. Rinder können im Tross einer Reiterarmee relativ leicht mitgeführt werden, Äcker dagegen nicht. Die Kelten waren die Erfinder der Almwirtschaft, die Erfinder der Sense, und die Erfinder des Bergkäses, der ein ganzes Jahr haltbar ist. Viele Wörter aus der Almwirtschaft, wie zum Beispiel Kessel oder Senn sind keltischen Ursprungs.
Es spricht einiges dafür, dass die Keltenschanzen neben Ihrer Funktion als Zentren des Handwerks und des Handels auch eine Funktion als Viehhöfe hatten. Dort konnte dann der Bestand an kriegswichtigen Reitpferden und wertvoller Rinderbestand diebstahlsicher gekoppelt werden. Diese Viehhöfe waren mit Holzgebäuden bebaut, teilweise sogar aus gezimmerten Balken, denn die Kelten sind auch die Begründer des Zimmererhandwerks. Das Bauernhaus im alpenländischen Stil lässt sich auf die Kelten zurückführen. Wichtige Säulen des Erwerbs waren neben der Viehzucht das Kriegshandwerk und der Handel.
Abb. 8: Rassetypisch für die keltischen Pferde war Ihre zum heutigen Pferd vergleichsweise niedrige Höhe und Robustheit. Weisse Pferde waren begehrt. (Bild folgt in Kürze)
Die Keltische Kultur wurde durch sogenannte Druiden und Barden bewahrt und weitergegeben, und zwar in poetischer Form in Liedern. Die gesamte überlieferte Tradition wurde daher auswendig gelernt. Die Ausbildung der Druiden dauerte deshalb volle zwanzig Jahre. In den irischen Volksliedern bekommen wir eine ungefähre Vorstellung von der Klangmelodie der Keltendichtungen.
Aus dem Manchinger Kelten-Oppidum gibt es Funde, die auf einen seltsamen Bestattungsritus hindeuten, auf die sogenannte Luftbestattung. Bei dieser Bestattungform wurde der Leichnam den Raben überlassen. Dadurch wurde der Verwesungsprozess umgangen. In diesem Brauch begegnet man wieder dem häufigen keltischen Motivs des Seelenvogels. Vom Skelett der Dahingeschiedenen wurden später der Schädel und die Langknochen aufbewahrt zur Erinnerung und zum Gedenken. Der zweite Teil des Brauches hat sich bis heute im Alpenraum erhalten. Die Kelten glaubten als Pantheisten an die Seelenwanderung.
Bei dem zufälligen Oberflächenfund aus Pfeffenhausen (siehe Foto) handelt es sich um ein Gebrauchsobjekt zum Verschließen eines Mantels, Umhangs, auch Cape oder Pelerine genannt. Das Stück hat eine Oberseite mit einem floralen Ornament in der Mitte, und eine abgeflachte Unterseite, die auf dem Mantel aufliegt. Die Vogelköpfe könnten als Schwänenköpfe auf geschwungem Hals gedeutet werden. Der Hals des unteren Schwans hat ursprünglich einen ca 5cm langen Bronzestift umschlungen, an dem die Nadel mit Metallfedermechanismus befestigt war, ähnlich einer Sicherheitsnadel, nur wesentlich stabiler. Dieser Teil fehlte jedoch bei dem Fund aus Pfeffenhausen. Es gibt aber einen dokumentierten, vergleichbaren Fund aus Kulmbach mit komplettem Verschlussmechanismus.
Abb. 9: Eine ähnliche Fibel aus Süddeutschland mit vollständigem Verschlussmechanismus.
Das Flechtband oder Flechtwerkverzierungen als künstlerische Ausdrucksweise auf Textilien, Gürtel, Zaumzeug, Schmuck, Waffen, Rüstungen, Thronsitzen und Tempeln spielt eine wichtige Rolle zum Verständnis unserer keltischen Vorfahren. Die oben genannte Vogelschlangen Gewandfibel in S-Form ist zwar zu klein, um ein Flechtband oder Flechtwerkverzierung zu tragen. Man kann aber darin die Umrisse einer „acht“ (der Buchstabe acht) erkennen, welche das Grundelement des Flechtbandes in seiner geschwungenen Form ist. . Die liegende acht ist heute bekanntermaßen in der Mathematik das Symbol für Unendlichkeit. Woher kommt das Flechtwerk bei unseren Kelten, und was bedeutet es? Praktisch kommt es vor bei der Ausfachung der keltischen Holzständerbauten, deren Fläche zwischen den Holzständersäulen Haselnuss-und Weidenflechtwerk ausgeführt, und anschließend mit einer Mischung aus Lehm und Getreidespelzen verputzt wurden. In dieser Funktion symbolisiert das Flechtwerk den Schutz der Familie vor den Elementen wie Regen, Wind, Kälte, Sturm, Blitzschlag und Hagel. Das zweite praktische Vorkommen des Flechtwerks besteht in den Strick- und Webwaren aus Wolle, welche ausgeprochen typisch für die keltische Tracht waren, was die Kelten auch auf den Bayern vererbt haben.
Bei der keltischen Technik des Strickens wurden Schlaufen ineinander verschlungen und beim Weben Fäden rechtwinklig miteinander verflochten.
Diese Handwerkskunst wurde von den Kelten sicherlich nicht als die Erfindung eines Menschen betrachtet, sondern als ein Geschenk der Götter, und somit als heilig betrachtet, und von Generation zu Generation in Ehrfurcht weitergegeben. Die dritte Anwendung bestand in der Einfriedung der Weideflächen für die Schaf-, Ziegen-, Rinder- und Pferdeherden. Die Einfriedungen dieser Weiden erfolgte durch lebende, wachsende Zäune, die ineinander verflochten war. Insbesondere für die kleinen Wiederkäuer wie Schafen und Ziegen genügten geflochtene Schlehenhecken, für Rinder eigneten die stärkeren Weissdornhecken. Hier bekam das Flechtband seine Inspiration als Schutz speziell des Tierbestandes, welcher den wertvollsten Besitz eines keltischen Familien-Clans oder keltischen Stammes darstellte.
Wie erwähnt gibt es 3 unterschiedliche Anwendung des Flechbandes: Hausbau, Textilherstellung und Flächeneinfriedung. Es gibt aber auch religiös-philosophisch-historische Deutungen des Flechtbandes oder Flechtwerkes: Es zeigt es den pantheistischen Glauben der Kelten an, wo alles mit allem verbunden ist, und in Wäldern, Quellen, Seen, Wildtieren und den Elementen allgemein Götter zugegen sein können, diese deren Gestalt angenommen oder es als Aufenthaltsort gewählt haben können. Das Flechtwerk symbolisiert hier diese innere Verbundenheit und seelische Bindung der materiellen Welt der Kelten zur geistigen Welt der Kelten.
Hölzerne Tempel der Kelten sind in Südbayern leider nicht erhalten geblieben, lediglich die bayerische Breze hält als Kultgebäck als Flechtgebäck die Stellung. Zwar wird die Breze heute meist versucht, die Breze in einem christlichen oder monastischen Kontext zu deuten, dies kann aber nicht davon ablenken, dass sich ihr Kernverbreitungsgebiet in Albayern südlich der Donau befindet, in altem keltischem Stammesgebiet. Die Breze in Verbindung mit Stickereien auf Lederhosen, sowie Flechtmuster auf Trachten-Kniestrümpfen erzählt eine ältere Geschichte, die zu den Kelten und Langobarden zurückweist.
Das keltische Vasallentum war ein hierarchisches System, das auf persönlicher militärischer Loyalität gegenüber einem Stammesfürsten beruhte, der im Gegenzug seine Gefolgsleute mit Anteilen an Sklaven, Kriegsbeute und Landbesitz bedachte. Die Gefolgsleute wiederum bedankten sich wiederum durch Tribut, Geschenke und Huldigungen. Die keltische Gesellschaft war stark von Ehre und sozialem Prestige geprägt. Ein Vasall konnte durch Tapferkeit und Loyalität in sozialer Ehre und Ruhm im Rang aufsteigen. Dabei spielten auch Familienbande und Heiratsallianzen eine enorm wichtige Rolle zur Festigung von Vasallenverhältnissen. Häufig wurden politische Bündnisse zwischen den Stämmen durch Heiraten gestärkt. Die Vasallen behielten jedoch weitgehend lokale Autonomie und verwalteten ihre eigenes Land als persönlichen Erbbesitz. Die Kontrolle der Vasallen war im keltischen Vasallensystem erheblich lockerer und weniger förmlich als im späteren mittelalterlichen Feudalsystem. Das Flechtmuster spiegelt künstlerisch das keltische Gesellschafts- und Wertesystem wieder, das stark auf gegenseitigen Nutzen und gegenseitige heroische Loyalität beruhte, die über den Tod hinausging, was das Endlosmuster schön künstlerisch wiedergibt.
Bei unserem Pfeffenhausener Fundstück ist die Deutung schwierig. Die S-Spirale ist ein Hinweis auf den sogenannten „Teutates“, was übersetzt „Vater des Volkes“ heißt. Dessen Opfertiere waren Widder und Eber. Die geometrische Form der Spirale bezeichnet in der Keltischen Formensprache ein Widderhorn. In der keltischen Kunst bzw. Ornamentik sind des Teutates` Attribute Widderhörner, Eberhauer, Krummstäbe, Spiralen, Masken und Köpfe. „Teutates“ war bei den Kelten dafür zuständig, über die im Kampf getöteten Krieger zu entscheiden und sie gegebenenfalls ins keltische Paradies, einer Art Königshalle, bringen zu lassen, wo reichlich Met floss. Hierbei bediente sich Teutates sogenannter Seelenvögel wie zum Beispiel weißer Kraniche, weißer Schwäne und ähnlicher Vögel. Bei der doppelköpfigen Vogelschlange kehren sich beide Köpfe der Schlange zueinander, so dass das, was am Anfang steht, sich auch an seinem Ende wiederholt. Dies bedeutete für die keltischen Krieger, dass die Formgebung der Gewandfibel zum Ausdruck bringt, dass das, was in der diesseitigen sichtbaren Welt etwas gilt, auch in der zukünftigen, noch unsichtbaren Welt Gültigkeit hat. Dies wurde damals nicht anders verstanden, als dass ein Mensch, der kämpfend Ruhmestaten vollbracht hatte, im Jenseits göttlicher Ehre würdig erachtet werden würde. Wie bereits erwähnt, stellen die realistisch modellierten Vogelköpfe vermutlich plastisch die Seelenvögel dar, die die Seelen der getöteten Keltenkrieger ins Jenseits tragen sollen, oder einfach nur als Amulett für allgemeine Schutzfunktion getragen wurden.
Eine zweite wichtige Stammesgöttergestalt bei den Kelten war zuständig für Kriegsglück und Wetter. Sein von den Römern überlieferter Name war „Taranis“, was so viel wie „Sohn des Donners“ bedeutet (irisch.: Torann = Donner). „Taranis“ Attribute waren das Rad, der Blitz, das Eisen, die Eiche, der Stier, das Pferd, der Wolf, der Adler und bestienähnliche, menschenfressende Ungeheuer. In Friedenszeiten wurden ihm von den keltischen Priestern Stieropfer, und in Kriegszeiten auch Feinde oder Gefangene geopfert, um seine Gunst und Kriegsglück zu gewinnen.
Eine dritte bedeutende Göttergestalt der Kelten war eine Art Mischwesen, halb Mensch, halb Tier, mit den Attributen Hirschgeweih, Lebensbaum, Schlange, Regenbogen und Mistelblätter. war zuständig für die Unterwelt, die Nachtzeit und die Heilkunde. Der Pfeffenhausener Fund der Doppelkopfschlange beinhaltet aufgrund des Schlangenmotivs somit neben Teutates auch einen Verweis auf Cernunnos. Diese Doppeldeutigkeit ist aber typisch für das keltische Kunsthandwerk, denn durch das Zitieren von Attributen verschiedener Stammesgöttergestalten erreichte man eine größere Wirkung auf das Publikum und erzielte somit einen höheren Preis für das Werk. Man sollte vielleicht auch im Hinterkopf behalten, dass in dem Glauben der Kelten ihre Götter nicht unbeschränkte oder absolute Macht innehatten, sondern auch ihre Stammesgötter wurden vom Schicksal beeinflusst und waren somit auch Leidenschaften und Stimmungen unterworfen.
Umfassende Beschreibungen oder Selbstzeugnisse der Kelten aus unserem Raum gibt es leider nicht. Allerdings können wir auf die Isländergeschichten zurückgreifen, welche um 1000 geschrieben wurden und uns in eine noch viel ältere Kulturepoche unserers eigenen Volkes hineinsehen lassen, in die Zeit der Völkerwanderung:
„Geschichten um den Goden Snorri (das heisst der Zänker). Die Geschichte eines Heiligtums. Wie der Thorpriester Thorolf nach Island siedelte. Der Thorgode Thorolf war ein Häuptling. (…) Thorolf richtete ein grosses Opfer zu und befrug den Thor, dem er vertraute wie einem Freunde, ob er aus dem Lande fahren solle. Die Antwort wies ihn nach Island. Da rüstete er ein Meerschiff zur Islandfahrt. Er nahm das Gesinde und die bewegliche Habe mit. Er brach den Tempel ab und lud sein Balkenwerk auf; auch von der Erde, darauf Thor gesessen hatte, nahm er mit. Dann machte er sich auf. Er bekam guten Wind und fand das Land.(…) Thorolf warf die Hochsitzsäulen über Bord, die im Tempel gestanden hatten; auf einer von ihnen war das Bild des Thor geschnitzt. Er sagte, dass er da in Island bauen wolle, wo Thor die Säulen ans Land treiben lasse. (…) Da sahen sie, dass Thor mit den Säulen ans Land gekommen war. (…)Er baute einen grossen Hof an der Tempelbucht, den nannte er „zur Tempelstätte“. Daselbst liess er den Tempel errichten; der war groß und hatte Türen an der Seitenwand und an einem Ende. Drinnen aber, der Tür gegenüber, standen die Hochsitzsäulen, und es staken die Nägel darin, die man „Regin“ – das ist: Götternägel – nannte. Dieser Tempel war eine sehr heilige Friedensstätte. (…)Darin war eine Erhöhung gebaut gleich einem Altar. Auf der lag ein Ring. Seine Enden waren voneinander abgebogen. Sein Gewicht war zwanzig Unzen. Auf diesen Ring sollten alle Eide geschworen werden. Der Tempelgode aber sollte ihn am Arme tragen, so oft sich das Volk dort versammelte. Es sollte auch eine Blutschale auf dem Altare stehen, und darin der Zweig als Sprengwedel, mit dem das Blut aus der Opferschale gesprengt wurde, das war das Blut der Tiere, die den Göttern geopfert wurden. Um den Altar aber waren die Götter aufgerichtet rings im Kreise. Zu diesem Tempel sollte alles Volk eine Steuer geben und dem Tempelgoden Gefolgschaft leisten, wie es jetzt die Thingmänner dem Häuptling tun. Der Gode aber sollte den Tempel auf seine Kosten erhalten, damit er nicht verfiele, und sollte auch die Opfermahlzeiten darinnen geben.Thorolf nannte den Berg, der auf der Halbinsel lag, „Helgafell“ , den heiligen Berg, und er glaubte, dass er da hineinfahren werde, wenn er stürbe. Er hielt den Berg so heilig und setzte einen so starken Glauben auf ihn, dass niemand ungewaschen dahin auch nur schauen durfte. Kein Leben sollte dort angetastet werden dürfen, weder Mensch noch Vieh, es sei denn, sie gingen aus freien Stücken dort weg. Die Stätte hatte eine so gewaltige Heiligkeit, dass er auf keine Weise den Erdboden dort verunreinigen lassen wollte, weder durch Hassblut, noch dass dort jemand ein Bedürfniss verrichte.(…).
Abb. 10a: Hochsäulenkonstruktion mit Andreaskreuzen an der Schwelle vom Heidentum zum Christentum.
Abb. 10b: Die Stabkirche Borgund ist eines der ältesten Holzgebäude Europas. Untersuchungen haben ergeben, dass das Holz für diese Kirche um 1180 gefällt wurde. Die Stabkirchen von Norwegen gelten als Übergangswerke vom heidnischen zum christlichen Glauben. Obwohl die Stabkirchen nicht keltischen Ursprungs sind, bilden Sie eine Brücke zum Verständnis der Baukunst der Kelten, die ebenfalls Ihre Gebäude mit vertikal verbautem Holz in Ständerbauweise und Holzschindeldeckung errichteten. Beachtenswert sind auch die Drachenköpfe auf den Firsten. Im Laubengang konnten die Waffen vor dem Betreten des Heiligtums niedergelegt werden. Der Eingang zur Kirche hat eine sogenannte Geisterschwelle, und der Eingang wurde zusätzlich mit magischen Schnitzereien geschützt.
In späterer Zeit entstand auf den Britischen Inseln auch eine keltische Form des Christentums, welche durch iro-schottischeWandermönche, die sogenannten Kolumbaner, zur frühbairischen Bevölkerung getragen wurde. Es etablierte sich sogar in unserem Raum für kurze Zeit die keltische-gallikanische Kirche im kolumbanischen Ritus. Die Mönche im Kolumbanischen Ritus hatten eine andere Tonsur als die Mönche im Römischen Ritus, denn sie schoren nur das Haupthaar an der Stirn bis zum Scheitelpunkt. Es ist heute weitgehend unbekannt (die Inquisition versuchte das Wissen darüber auszulöschen), aber die ersten Bischöfe in Freising, Regensburg, Passau und Salzburg waren Kolumbaner. All diese wurden später durch einen päpstlichen Gesandten abgesetzt bis auf den Bischof von Salzburg (der sehr beliebt im Volk war) und durch Römische bzw. Rom treue Bischöfe ersetzt. Es bleibt doch ein interessantes historisches Detail, dass die ersten Kirchlichen Oranisationsstrukturen in unserem Raum nicht von der Römischen Kirche geschaffen wurden, sondern von der Keltischen Kirche bzw. Inselkelten. Die wertvollste künstlerische Hinterlassenschaft der Keltischen Kirche stellt die insulare Buchmalerei dar, unter anderem das Weltdokumentenerbe „Evangeliar von Kells“, entstanden um das Jahr 800, das weltberühmte „Evangeliar von Lindisfarne“, gefertigt von Eadfrith um 700, und das „Evangeliar von Durrow“, entstanden um 650 im Kloster Lindisfarne in Northumberland.
Abb.: 11: Der Donaudurchbruch beim Kloster Weltenburg, der ältesten klösterlichen Gemeinschaft Bayerns, gegründet in den Jahren 617 bis 620 durch die Kolumbanermönche Eustasius und Agilus nach der Regula Columbani.
Nur die Kelten in Irland, Wales, Bretagne und Schottland haben ihre ureigene keltische Kultur und Sprache ins Mittelalter und bis in die Neuzeit hinübergerettet. Von den vier heute noch gesprochenen keltischen Sprachen ist Walisisch (engl.: Welsh) mit 500.000 Sprechern am bedeutendsten. Bretonisch (fr.: Breton) mit 300.000 Sprechern ist ebenfalls noch sehr bedeutend. In Schottland und den Hebriden wird von ca. 90.000 Sprechern noch Gälisch (engl.: Gaelic) benutzt, und in Westirland sprechen noch ca. 25.000 Menschen keltisches Irisch (engl. Irish). Auch im Bairischen hat sich manches keltische Wort erhalten.
Zunächst fallen landwirtschaftlichen Erfindungen der Kelten wie der Räderpflug, der Eisenpflug, ledernes Pferdegeschirr, das gehopfte Bier, Bierfass, Almwirtschaft, Milchverarbeitung, Bergkäseherstellung und Sense ein. Aber ihr Einfluss auf die kommenden Generationen reicht noch viel weiter: Sie erfanden auch noch den Speichen rädrigen Wagen, das Kugellager und die Radsporen. Darüber hinaus revolutionierten sie die Stahlverarbeitung, das Zimmerhandwerk und erfanden die Seife.
Der Aufstieg der Kelten ist eng mit dem Rohstoff Eisen und der Erfindung des geschmiedeten Stahls verbunden. Das eiserne Langschwert war die charakteristische Bewaffnung für die Eroberungszüge der keltischenKrieger, und Ihr Erkennungszeichen. Die Kelten trugen das Langschwert auf der linken Seite, wärend die Römer ihr Kurzschwert auf der rechten Hüfte trugen. Das Keltische Schwert war schmiedetechnisch eine Meisterleistung aus Damaszenerstahl. Die Kulturepoche der Kelten wird als Eisenzeit definiert und gliedert sich in jüngere Eisenzeit „Latène“, benannt nach einem wichtigen Fundort in der Schweiz, und die ältere Eisenzeit „Hallstatt“, nach einem Fundort in Österreich. Das Wort „Eisen“ läßt sich auch auf das keltische Wort „isaron“ (keltisch, „hart, stark“) zurückführen. Interessanterweise fand das Eisen auch seinen Weg in das bayerische Rautenwappen, da die blauen Rechtecke der Grafen von Bogen ursprünglich Roheisenbarren darstellten, die früher auf der Donau transportiert wurden, und die wichtigste Zolleinahmequelle für die Grafen von Bogen darstellten.
Abb.12: Zeitgenössische Darstellung eines Fuhrmannes mit einem Ochsengespann. Auf dem Wagen befindet sich ein Holzfass, auf dem wiederum ein Hund sitzt. Seit mehr als 2000 Jahren führt durch das Gebiet des heutigen Pfeffenhausen eine wichtigen Fernhandelsroute, auf der sowohl Eisen, als auch Salz nach Norden transportiert wurde.
Der germanische Heerkönig Ariovist verfügte über bedeutende keltische Sprachkenntnisse. Caesar warb ihn im Kampf gegen die Kelten als Bundesgenossen an. Der römische Senat verlieh ihm deshalb den offiziellen Ehrentitel eines „Freund des Römischen Volkes“. Nachdem Caesar dem Ariovist die Siedlungsgebiete der Kelten als Kriegsbeute in Aussicht stellte, überschritt Ariovist im Jahr 71vor der Zeitrechnung mit 15 Tausend Mann den Rhein und kämpfte für Caesar gegen gallische Stämme mit der Aussicht auf besagte neue Siedlungsgebiete. Vorher verbündete er sich mit sieben weiteren germanischen Stämmen, darunter auch mit den Markomannen, so dass seine Truppenstärke auf einhundertundzwandzig Tausend Mann anschwoll. Dieser riesige Heerzug durchzog Süddeutschland, und damit auch unsere Gegend. Dieser germanische Heerzug im Auftrag Roms plünderte und zerstörte die Oppida entlang der Donau. Nachdem Ariovist die Kelten westlich des Rheins unterwarf und für sich tributpflichtig machte, überlistete Cäsarden Ariovist im Jahre 58 v.u.Z. und schlug ihn militärisch vernichtend nach einem fingierten Vorwand (die Kelten beschwerten sich bei Caesar über die zu harte Besatzungmacht Ariovists). Ariovist mußte mit wenigen Mann wieder zurück über den Rhein fliehen.
Abb. 13: Die Keltenschanze Oberlauterbach wurde vermutlich von Ariovists Heerzug zerstört.
Wie und warum verschwanden die Kelten scheinbar so spurlos aus ihrem angestammten Gebiet an der Donau? Es begann zunächst damit, dass die Kelten das aufstrebende Römische Weltreich mit einem nicht enden wollenden Strom von Sklaven, Waffen, Vieh und Söldnern versorgten. Dadurch häuften die Kelten immer größeren Reichtum in Form von Gold und Macht in Form von Bewaffnung und Truppenstärke an. Dies ermöglichte ihnen eine Expansion, die sich über das heutige Spanien, Frankreich, Irland, England, Schweiz Süddeutschland, Ungarn, Tschechien, Österreich, die Balkanländer, Griechenland und die heutige Türkei erstreckte. Der Römische Diktator Gaius Julius Cäsar ging nun daran, diesen Reichtum der Kelten anzuzapfen und zurückzuholen, um mit der Beute seine immensen persönlichen Schulden zu begleichen und gleichzeitig die maroden römischen Staatsfinanzen zu sanieren, was ihm mit dem Sieg über Vercingetorix, dem Heerführer der vereinigten westrheinischen keltischen Stämme auch gelang. Damit wurde auch unseren Kelten an der Donau wirtschaftlich und militärisch sprichwörtlich der Boden unter den Füßen weggezogen. Den Rest erledigten die ihre Stammsitze verlassenden Germanen auf der Suche nach hochwertigem Ackerland und neuen Siedlungsgebieten.
Abb. 14: Im Jahre 48 v.Chr. geprägter Denar mit dem Portrait des gefangenen gallisch-keltischen Averner-Fürsten Vercingetorix (82 v.Chr. bis 46 v.Chr.). An seinem Hinterkopf ist ein keltischer Schild angedeutet. Die Rückseite der Münze zeigt einen keltischen Streitwagen mit Wagenkämpfer und Lenker. Der Streitwagen wurde gegen die Kavallarie eingesetzt.
Nachdem die linksrheinischen Gallier von Cäsar geschlagen wurden, flohen ca. fünfzigtausend Gallier zu uns nach Süddeutschland, um sich ihre Freiheit zu bewahren. Diese Gallier fanden sicherlich auch in den beiden Viereckschanzen im Gebiet Pfeffenhausen Zuflucht. Somit bleibt festzustellen, dass Vorfahren der Bayern unter dem Heerkönig Vercingetorix gegen Cäsar gekämpft haben, und anschließend unter anderem in dem Gebiet der Keltenschanzen bei Oberlauterbach und Pfeffenhausen Zuflucht gefunden haben.
Abb. 15: Portrait einer Keltin mit langem Haar, vermutlich die Frau von Vercingetorix. Am Hinterkopf ist eine keltische Trompete (carnyx) abgebildet. Die Carnyx wurde aufrecht gehalten, und der Kopf der Trompete ist meist als Wildschweinkopf geformt. Diese Bronzetrompete wurde auf Kriegszügen mitgeführt, um den Gegner mit akustischer Kriegsführung zu demoralisieren. Auf der Rückseite der Münze ist eine Artemis (Diana) mit Speer und springendem Hirsch zu sehen.
Nach der Niederlage von Vercingetorix dauerte es nicht lang, bis unser Gebiet, das die Römer Vindelicum nach dem hier ansässigen Keltenstamm der Vindeliker nannten, Teil der Römischen Provinz Rätien wurde. Die Nachfahren der Vindeliker waren durch jahrhundertelange Handelsbeziehungen mit der Römischen Kultur vertraut und gliederten sich ohne Probleme in das Römische Weltreich ein, verloren aber die Oppida, die Aristokratie und die Priesterschaft (Druiden und Barden).
Abb.16: Rekunstruktion eines kelto-römischen Gutshofes aus dem 1.-4.Jahrhunderts in Südbayern.
Zwar waren die Kelten das bedeutendste Volk Mitteleuropas, aber es gelang ihnen nicht, einen staatlichen Zusammenschluss zu bilden. Dafür kommen zwei Gründe in Frage. Der erste Grund lag in der aristokratischen Herrschaftsstruktur. Die jeweiligen Stammesoberhäupter betrieben in erster Linie Klientelpolitik im Sinne ihrer Stammessippen. Über dem Adel standen die Priestergelehrten, die sogenannten Druiden, welche die spirituelle Elite bildeten. Die Volkswerdung oder die Geburt einer Keltischen Nation hätte eine eindeutige, einheitlich tradierte Lehre gebraucht. Die Kelten waren zwar handwerklich extrem fortschrittlich, verwendeten aber noch keine Schrift.
Alles Wissen der Kelten musste deshalb von Barden in endlos langen Lieder auswendig vorgetragen werden, was sehr umständlich war. Das Nibelungenlied ist zwar nicht keltisch, gibt aber einen Eindruck von der Keltischen Art der Wissensvermittlung. Die Keltische Glaubenswelt war in weiten Teilen eine sehr emotionale Angelegenheit, bei der Met und Bier eine große Rolle spielte. Die einzelnen Stämme verehrten meist unterschiedliche Lokalgötter und Ahnen. Es fehlte wahrscheinlich einfach die zentrale Kultstätte, und ein in sich geschlossenes Ritualgesetz, welches den Druiden ermöglicht hätte, die vielen Stammesfürsten zu bändigen und höheren, visionären Zielen unterzuordnen.
Abb. 17: Trinkhörner aus der frühen Neuzeit, ähnlich den bei den Kelten gebräuchlichen Trinkhörnern.
Nach dem Abzug der römischen Besatzungsmacht im Jahr 488 begann die große Wanderung des ostgermanischen Stammes der Markomannen über Böhmen nach Süden. Ausgelöst wurde diese Völkerwanderung durch das Auftreten der Hunnen im Osten. Die Neuankömmlinge bzw. germanischen Siedler wurden „Bajari“ bezeichnet, was so viel wie „Leute aus Böhmen“ bedeutet. Hiermit läßt sich feststellen, dass der Begriff „Bayern“ keltischen Ursprungs ist und etymologisch die Bedeutung „Leute aus Böhmen“ bzw. „Leute vom Keltenstamm der Boier“ innehat, auch wenn die Boier in der genetischen Abstammung der Bayern neben Markomannen, Vindelikern und natürlich Römern offenbar nicht die Hauptrolle spielen. Die großen fruchtbaren Täler und Ebenen an Isar, Inn und Donau und den anderen bayerischen Flüssen und Seen wurden sukzessive von den germanischen Neuankömmlingen eingenommen.
Die romanisierten Kelten hatten dem massenhaften Ansturm der Germanen nach dem Abzug der Römer wenig entgegenzusetzen, und mussten zwangsläufig in die dünner besiedelten Gebiete Bayerns ausweichen, wie in die Hallertau, den Böhmerwald, das Allgäu und den Alpenraum. Dort passten sie sich, wie zuvor beim Einmarsch der Römer, zwangsläufig an die neuen Machtverhältnisse an. Zeugnis der erfolgreichen Anpassung der Kelten gibt die Almwirtschaft in den Alpen und der Hopfenanbau in der Hallertau. Diese besonderen kulturellen Leistungen würden wahrscheinlich ohne die Keltische Tradition nicht mehr in dieser Form existieren.
Abb. 18: Weibliche Blütenstände des Hopfens (Humulus lupulus L.), eines Hanfgewächses (Cannabaceae). Der Hopfen ist eine der wenigen Lianen Mitteleuropas. Es werden stets nur weibliche Pflanzen angebaut.
Was verdankt Bayern heute den Kelten? Die Keltenstämme der Vindeliker und Boier leben auf vielfältige Weise im südbayerischen Volk weiter: In mancher Tradition, manchen Gebräuchen, der Tracht, den Essgewohnheiten, Trinkgewohnheiten, dem Handwerk, in Viehhaltung, in Tierrassen, in Ortsnamen, Flussnamen und weit anderem mehr als man allgemein vermutet.
Erstaunlich ist auch die Tatsache, dass das keltische Tradition und Brauchtum auch den Sprung über den atlantischen Ozean geschafft hat. Viele Keltische Kulturelemente fanden ihren Weg in den Amerikanischen Westen. Erkennbar an silbernen Rädersporen, ornamental verzierten Gürtelschnallen, Bluegrass, einer Musikrichtung aus dem Genre der Country-Musik mit keltischen Klangbildern, keltische Trachtelemente in Form von bunt karierten und gestreiften Hemden und Hosen und geschwungene Moustaches als Relikt Keltischer Barttracht. Die ganze Eroberung des Amerikanischen Westens zu Pferde und in von Zugpferden gezogenen Wagen war eine Art Aufleben der nomadisierenden, auf Landeroberung abzielenden Keltischen Lebensweise, auch getragen von zwei Auswanderungswellen aus Bayern um 1840 und 1870, vor allem aus dem Bayerischen Wald.
Abb. 19: Wagenkarawane
Das keltische Element im heutigen Volksstamm der Bayern ist nie wirklich verschwunden. Man kann dies alljährlich erleben am größten Volksfest der Welt, der „Wiesn“. Dort auf dem Theresienplatz befindet sich ein künstlicher Berg, die sogenannte Theresienhöhe. Auf dieser Anhöhe steht ein hellenistischer Ruhmestempel, der von Eichen umgeben ist, in dem die Büsten verdienter Bayern aufgestellt sind. Im Vorhof dieses Tempels steht die Monumentalplastik einer Keltenfürstin, der „Bavaria“, mit einem Siegeskranz aus Eichenlaub und umgürtet mit einem keltischen Langschwert. Dieses aus der keltischen Mythologie entlehntes Werk des neunzehnten Jahrhunderts ist ein weithin sichtbares Zeichen der Rückbesinnung auf die keltischen Wurzeln des Bayerischen Volkes. Auf dem Oktoberfest in München finden sich noch viele weitere keltische Zitate: Die mit Blumen geschmückten Brauereiwägen mit Bierfässern und Prunkgeschirren, die ornamentalen Verzierungen an den Trachten, das wollene Gewand, am Spieß gebratene ganze Ochsen, öffentliche Schau-Hinrichtungen („zum Schichtl“), und natürlich die mit Birkenreisig und Fichtengirlanden geschmückten Festzelte und Festhallten im alpenländischen Stil.
Abb. 20: Einzug der Wiesenwirte beim Oktoberfest. Prunkgespann-Fasswagen anno 1901 des Augustiner Bräu.
Keltische Kultur spielt weiterhin eine sehr wichtige Rolle in der Art wie wir Deutsche leben. Allerdings wurde die Geschichte und Kultur der Kelten noch nie präzise und gleichzeitig verständlich für die Jugend porträtiert. Dieses Essay soll aufzeigen, welche umfassenden Einfluss das keltische Erbe auf die bayerische Lebensart hat.
1000 Jahre vor unserer Zeitrechnung: Die Kelten erobern die Eisenlager der Steiermark und des Salzkammergutes, und lernen Eisenschwerter zu schmieden, mit deren Hilfe sie Süddeutschland und die Schweiz erobern. Die Flußnamen Isar, Donau, Neckar, Rhein und Main gehen auf diese Epoche der keltischen Landnahme zurück.
450 Jahre vor unserer Zeitrechnung, also vor ca. 2500 Jahren: Erster schriftlicher Bericht eines antiken Gelehrten über die Kelten an der Donau (Herodotus)
400 Überschreiten der Alpen nach Süden
387 bis 390 Kelten plündern Rom
369 Kelten dienen als Söldner in Griechenland
335 Alexander der Große trifft sich mit keltischen Abgesandten am Ufer der Donau
283 Sieg der Römer über den Keltenstamm der Senones in Norditalien
279 Plünderung von Delphi durch die Kelten
278 Einwanderung der Kelten nach Kleinasien
275 Sieg der hellenistischen Syrer unter Antiochus über die Kelten
225 Römischer Sieg über die Boier
191 Ein Teil der Boier kehrt über die Alpen zurück nach Böhmen
120 Um das Jahr 120 vor unserer Zeitrechnung wird auf dem Bergplateau des Michelsberges bei Kelheim in Bayern das eisenzeitlich-keltische Oppidum Alkimoennis durch Mauern und Gräben Tore befestigt. Diese spätlatènezeitliche keltische Höhenstadt Alkimoennis wurde durch drei quer über den Berg verlaufende, erdene Abschnittswälle und einer vorgelagerten keltischen Mauer gesichert. Die äußere Mauer verfügte über drei Zangentore. über den Donaudurchbruch führte eine Lederbrücke. Nach den Napoleonischen Kriegen ließ König Ludwig I. von Bayern in der Mitte des 19.Jhs. vor dem Hintergrund des Strebens nach nationaler Einheit auf dem Michelsberg die Befreiungshalle errichten. Seine Fassade wird durch 18 Strebepfeiler mit Kolossalstatuen als Allegorien der deutschen Volksstämme gegliedert.
120 Germanische Stämme überrennen Keltische Territorien
101 Niederlage der Kimbern gegen die Römer
58 Cäsar erobert Gallien
50 Boier erleiden in Pannonien eine Niederlage
15 Alpenexpedition des Römers Drusus mit Eroberung der Keltischen Territorien südlich der Donau, das heutige Altbayern
9 vor der Zeitenwende Rom erobert Noricum, das heutige Österreich
98 n.d.Z. Tacitus veröffentlicht sein Werk „Germania“
166 Die Markomannen überqueren die Donau.
220 Die Goten unternehmen Raubzüge auf dem Balkan und Kleinasien.
260 Die Goten fahren mit Schiffen von der Nordküste des Schwarzen Meeres in die Ägäis, und schlagen die Römer in offener Felschlacht.
261 die Alemannen stoßen bis nach Mailand vor.
270 Bau der gewaltigen, 19 Kilometer langen Aurelianischen Mauer um Rom als Schutzwall gegen den furor teutonicus.
330 Um die Sicherheit Roms vor den Goten zu gewährleisten, enschließt sich der römische Kaiser Konstantin dazu, die Hauptstadt seines Reiches von Rom nach Konstantinopel (heute Istanbul) zu verlagern. Am 11. Mai 330 findet die feierliche Einweihung der neuen Metropole statt.
380-390 Katholizismus wird Staatsreligion. Laut einem Edikt von Kaiser Theodosius I (IMPERIVM ROMANVM) sollen alle nicht-katholischen germanischen oder auch keltischen Arianer „Ketzer“ genannt werden. Darunter fallen alle germanischen Ostgoten in Italien. Theodosius I. war der letzte Kaiser, der beide Teile des Römischen Reiches vereinte, bevor er das Reich nach seinem Tod unter seinen Söhnen aufteilen ließ.
432 Die Mission des heiligen Patrick in Irland beginnt ungefähr im Jahr 432. Patrick, der ursprünglich aus Britannien stammte, wurde im Alter von etwa 16 Jahren von irischen Piraten gefangen genommen und nach Irland verschleppt. Nach seiner Flucht und Rückkehr in seine Heimat kehrte er als Missionar nach Irland zurück, um das Christentum zu verbreiten.
488 Die Langobarden besetzen das Südmähren, das Weinviertel, und das Marchfeld.
493-530 Die „eiserne Krone“ der Könige der Langobarden entsteht vermutlich unter der Herrschaft Theoderich des Großen.
535-554 Der im östlichen Teil des römischen Reiches regierende Kaiser Justinian I. (PARS ORIENTALIS IMPERII ROMANI) führte einen „Ketzerkreuzzug“ gegen alle nicht-katholischen Christen im westlichen Teil des römischen Reiches, ein Glaubens- und Vernichtungskrieg gegen die germanischen Ostgoten in Italien. Dieser führte zur Entvölkerung des ostgotischen Reiches von Italien. Der Geschichsschreiber Prokop sagte darüber: „Schneller zählt man Sandkörner als die vielen Menschen, die der Kaiser hinmordete.“ Der Krieg führte zur endgültigen Zerschlagung des Ostgotenreichs und zum Verlust ihrer kulturellen und religiösen Identität. Die wenigen überlebenden Goten wurden in das oströmische Reich integriert und verschwanden aus den Geschichtsbüchern. Bei diesem Gemetzel halfen germanische Söldner-Elitetruppen der Heruler, Gepiden, Franken und Langobarden tatkräftig mit, um das große germanische Volk der Ostgoten auszurotten.
568 Die Langobarden erreichen nach über 400 Jahren Wanderung von Skandinavien über die Weichselmündung, dem Gebiet des heutigen Ungarns und Österreichs schließlich im Jahr 568 Oberitalien.
720 n.d.Z. Der germanische Langobarde Warnefried wird in der Region Friaul im Nordosten Italiens südlich von Kärnten geboren, und am am langobardischen Königshof in Pavia erzogen, wo er Latein und Griechisch lernt.
774 Der Franke Karl der Große erobert das Langobardenreich. Nach dem Zusammenbruch des langobardischen Königreiches wird der Langobarde Warnefried nun Benediktiner im Kloster Monte Cassino, und nimmt den Namen Paulus Diakonus an.
797 Nach seinem Tod im Jahre 797 auf dem Monte Cassino hinterläßt Warnefried alias Paulus Diakonus die in Lateinisch geschriebene große tausendjährige Geschichte der Langobarden. Dieser letzte germanische Volksstamm, der sich in der Zeit der Völkerwanderung auf dem Weg von Skandinavien nach Süden macht, und dem sich auch viele Kelten als Minderheit anschließen, erobert auf seinem langen Weg nach Italien auch die ehemals keltisch-römische Provinz Noricum bis zur Stadt Batavis, dem heutigen Passau, das ihnen als strategischer Stützpunkt dient. Die tausendjährige Geschichte der germanischen Langobarden ist deshalb einzigartig, weil sie die einzige eigene schriftliche Überlieferung eines germanischen Volksstammes in der Völkerwanderungszeit darstellt, welche extrem wertvolle Rückschlüsse auf die Gründe des scheinbaren plötzlichen Verschwindens der Kelten zulässt.
1314 Ludwig der Bayer wird römisch-deutscher König
1327 Ludwig der Bayer wird mit der „Eisernen Krone“ der Langobarden in Mailand zum König der Lombardei und Norditalien gekrönt.
1328 Ludwig der Bayer wird in Aachen zum Heiligen Römischen Kaiser gekrönt (SACRUM ROMANUM IMPERIUM).
Im Jahr 543 unserer Zeitrechnung wird Columban in Leinster, einer östlichen Provinz auf der keltischen Insel Irland geboren. Das Leben wurde von der keltischen Stammeskultur dominiert. Die keltische Sprache (Altirisch) war weit verbreitet, ebenso wie die damit verbundenen Traditionen, wie die Bardenkultur und die keltische Mythologie. Seit der Mission des Patrick (432) hatte sich das Christentum weit verbreitet, aber viele keltische Bräuche wurden integriert. Die Verbindung zwischen keltischen und christlichen Traditionen prägte Columban und seine spätere Arbeit der Seelengewinnung. So verband er in seinen Lehren keltische Askese und Spiritualität mit den Prinzipien des Christentums.
Die keltischen Siedlungen, in denen er aufwuchs, bestanden aus Rundhäusern und kleinen Dörfern, oft umgeben von Ringforts (befestigten Höfen).
Die Bezeichnung keltisch-gallikanischer Wanderprediger unterstreicht Columbans’ Rolle als Vermittler zwischen den christlichen Traditionen Irlands und Galliens sowie seine missionarische Tätigkeit in Europa. Columban war ein keltischer-christlicher Wanderprediger, der Wunder wirkend durch Gallien, Alemannien und Italien zog. Er sammelte Schüler um sich und predigte den christlichen Glauben. Seine Schüler gründeten das erste Kloster in Bayern. Das Konzept der Seelengewinnung, das Columban als „the biggest job of the world“ betrachtete, hat seine Wurzeln im Alten Testament, insbesondere im Propheten-Buch Daniel. Ein zentraler Vers dazu ist Daniel 12,3:
„Und die da verständig sind, werden leuchten wie der Glanz der Himmelsfeste, und die viele zur Gerechtigkeit weisen, wie die Sterne immer und ewiglich.“ (Daniel 12,3)
In diesem Vers wird betont, dass diejenigen, die andere zur Gerechtigkeit führen, also „Seelen gewinnen“, von Gott besonders geehrt werden. Es ging Columban dabei um das Weitergeben von Gottes Wahrheit, um Menschen zur Umkehr und zu einem gottgefälligen Leben zu bewegen. Er betrachtete es als seine größte Aufgabe, Menschen zur Umkehr und zu einem christlichen Leben zu führen. Für ihn war seine Mission eine tiefgehende geistliche Erneuerung, inspiriert vom Volk Israel, das dazu berufen war, Licht für die Nationen zu sein (Jesaja 49,6), was eine Form von „Seelengewinnung“ darstellt. Er setzte dabei auf Predigt, persönliche Vorbildwirkung und asketisches Leben, um andere zu inspirieren.
Das Kloster Weltenburg, das älteste Kloster Bayerns, wurde zwei Jahre nach Columbans Tod (615) um 617 von seinen Schülern an einer Donauschleife unterhalb des keltischen Oppidums am Michelsberg bei Kelheim von zwei keltisch-gallikanischen Wanderpredigern, Eustasius und Agilus gegründet.
Eustasius (später Abt im Monasterium Luxovium in Frankreich) und Agilus (auch Aegidius gennannt) waren zwei Schülern und Gefährten des keltisch-gallikanischen Wanderpredigers Columban. Columban war vom Beginn seiner Tätigkeit bis zu seinem Wirken in Bayern und Alemannien ein Vertreter des keltischen Christentums.
Sein Wirken trug dazu bei, keltische und gallische Traditionen zu einer gemeinsamen christlichen Praxis zusammenzuführen.
Die Regel, die Columbanus in den von ihm gegründeten Klöstern initiierte, heißt „Regula Monachorum“ (Mönchsregel). Diese Regel war eine der ersten schriftlich fixierten Mönchsregeln des keltischen Christentums und prägte die klösterliche Lebensweise in den Klöstern, die Columban gründete, wie Luxeuil, Annegray und Bobbio. Es ist wahrscheinlich, dass Weltenburg nach seiner Gründung 617 zunächst noch keltisch beeinflusst war, aber danach sukzessive die Benediktregel Einfluss gewann.
Columbanus‘ große Leistung für die heutige Menschheit lag in seiner Fähigkeit, durch die kraftvolle Vermittlung keltischer Spiritualität und Disziplin eine kulturelle Brücke zwischen den Insel-Kelten und den Galliern zu schaffen, welche Europas Stämme näher zusammenwachsen lies, und auch Bayern durch die Bildung eines spirituellen keltischen Kraftortes wie Weltenburg bis heute nachhaltig prägt.
(hg)
Original Artikel, verfasst von Hans Georg Oswald, erstmals in Druck erschienen (Erstfassung) im Heft 1 des Historischen Jahresberichtes (Pfeffenhausener Geschichtsblätter) des Vereins für Heimatgeschichte Pfeffenhausen und Umgebung im Jahr 2017 kurz nach der Wiederbelbung des Vereins mit dem Jahresthema: Kelten.
Hans Georg Oswald IM, Verein für Heimatgeschichte Pfeffenhausen