
Eine Imkertracht für alle Imkerinnen und Imker

Die von Hand geschneiderte Tracht soll durch eleganten Schnitt und handwerkliche Präzision die hohe Kunst der Imkerei widerspiegeln.
Durch Qualität, Beständigkeit und Ästhetik bewahrt sich der imkerliche Berufstand und Imkerei-Sektor seine Würde und sein Ansehen als systemrelevanter und das Gemeinwohl förderndes unverzichtbarer Teil der Gesellschaft.
Die Gruppe der Imkertracht-Interessierten Erstbestellern traf sich im Café Europa in Augsburg am sonnigen Ulrichsplatz.
Einige Teilnehmer reisten bereits am Vortag an.
Es kamen Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Berlin, aus dem Harz, aus Rheinland-Pfalz, und anderen Teilen der Republik.
Nach einer kurzen Austauschrunde und Kennenlernen machten wir uns zu Fuß durch die Augsburger Innenstadt zur Schneiderei und Trachtenmanufaktur Ninnerl in Augsburg.
Augsburg wird oft als die „nördlichste Stadt Italiens“ bezeichnet, und wenn man durch Augsburg schlendert, versteht man, warum.
Dass die neue Imkertracht gerade in Augsburg handgeschneidert wird, ist kein Zufall, sondern schlägt eine Brücke zu einer jahrhundertealten Identität.
Augsburg war über lange Zeit das „Manchester Deutschlands“.
Bevor die berühmte Augsburger Familie der Fugger die Bankiers der Kaiser wurden, waren die Fugger Weber. Ihr Reichtum gründete sich auf dem Handel mit Textilien und Stoffen.


Im Mittelalter war Augsburg berühmt für seine Barchent-Weberei. Barchent ist ein sehr strapazierfähiges und angenehmes Mischgewebe aus Leinen und Baumwolle. Augsburger Stoffe waren ein europaweit anerkannter hoher Qualtiäts-Standard.
Das Staatliche Textil- und Industriemuseum (tim) in Augsburg zeigt, wie die Stadt wie kaum eine andere mit der Schneiderhandwerk verbunden ist.
Die Imkertracht in Augsburg schneidern zu lassen, bedeutet, sie an einem Ort fertigen zu lassen, wo man von schönen Stoffen und Ästetik seit 500 Jahren etwas versteht.
An diesem Tag war Augsburg in ein besonders warmes Licht getaucht, weil die Atmospäre voll Sahara-Staub war.
Die Imkertracht besteht aus folgenden Teilen, die aus Zeitgründen nicht alle en detail besprochen werden konnten:


Die Farben der Zeidlertracht waren Grün, Rot und Gelb.
Das kräftige Waldgrün symbolisierte die Heimat der Zeidler, den Nürnberger Reichswald, des „Des Kaisers Bienengarten“. Der grüne Rock oder Wams diente sowohl der Tarnung im Unterholz, als auch als sichtbares Erkennungszeichen für den Hüter der Bienenbäume.
Oft sah man an den Aufschlägen oder als Unterfutter ein sattes Rot. Dies war eine Anlehnung an das kaiserliche Wappen und unterstrich den rechtlichen Status der Zeidler als „Unmittelbare“ des Kaisers. Es gab der Tracht eine herrschaftliche Note, die sie deutlich vom einfachen „grauen“ Bauernstand abhob.
Gelbe Akzente, oft in Form von Paspeln, Stickereien oder Westen standen direkt für den Honig und das kostbare Bienenwachs. Wachs war im Mittelalter für die Kirche in Form von Kerzen so wertvoll wie Gold, und die Zeidler waren die Einzigen, die diese Kerzen beständig in großen Mengen liefern konnten.


„Die Ninnerl Trachtenmanufaktur steht für liebevolle, meisterliche Handfertigung in Augsburg, mit kompromissloser Qualität der Materialien und spürbarem Tragekomfort durch die Maßanfertigung.“
“Liebenswerte handgearbeitete Details umgeben die Kleidung mit einem Hauch Raffinesse und Extravaganz.“
Es wurde der Wunsch geäußert, dass der Janker für einen eleganten Auftritt geeignet sein soll, und daher Perlmutt-Knöpfe tragen soll, die Weste dagegen Metallknöpfe mit Bienenmotiv.
In sozialen Netzwerken und Trachten-Blogs, wie der Trachtenbibel wird zunehmend diskutiert, wie Berufsstände ihre Identität durch moderne, aber historisch fundierte Westen oder Janker zurückgewinnen können. Die Kombination aus Naturmaterialien wie Wolle und Leinen, sowie symbolischen Bestickungen wie dem Honigbienenmotief wird dort als „Slow Fashion“ mit tiefer Bedeutung gefeiert.


Ein wichtiges Ziel des Treffens wurde erreicht, es herrschte Einigkeit über die Grundzüge der Imkertracht.
Anwesend waren Mitglieder und Funktionäre von verschiedenen Imkerverbänden, unter anderem vom Deutschen Berufs- und Erwerbsimkerbund DBIB, vom Neuen Imkerbund NIB sowie von Bioland e.V. und Biokreis e.V.
Der Präsident des Deutschen Imkerbundes DIB, Herr Thorsten Ellmann, wurde selbstverständlich eingeladen mitzuwirken, versicherte jedoch, dass der DIB keine eigene Imkertracht plane, und beteiligte sich nicht. Nichtsdestotrotz ist jede Imkerin oder Imker frei in ihrer individuellen Entscheidung, sich mit dem Tragen der Imkertracht sich zum Berufstand zu bekennen.
Im Mittelalter zur Zeit der Ritterturniere trugen die Ritter in der linken Hand das Schild mit dem Wappen. Die linke Hand war praktisch die Schildhand, die das Herz des Ritters schützte. Eine Remineszenz an diese Zeit stellt das Einstecktuch mit Monogram dar, das uns an das Wappenschild der edlen Ritter erinnert.
In Kontinuität zu dieser Tradition wird das Bienenemblem auf der linken Seite der Weste eingestickt.
Das ist eine gute Frage, die durchaus diskutiert wurde.
Zunächst gab es den Vorschlag folgende Zugehörigkeiten dezent durch ein farbliches Detail unauffällig für Insider sichtbar zu machen:
Präsidenten / Ehrenpräsidenten = Violett
Meister (Tierwirtschaftsmeister Bienenhaltung, Meister der Bienenwirtschaft) = Rot
Tierwirt für Bienenhaltung / Geselle / Bienenhaltergehilfe = Schwarz
Profi- Berufs- und Erwerbsimker ohne Abschluss = Gelb
Hobby- und Freizeitimker = Grün
Es gab aber auch Stimmen, die sich dafür aussprachen, für besseren Zusammenhalt auf Farbsymbolik zu verichten, um hierarchischem Denken entgegenzuwirken.

Bleiben Sie auf dem Laufenden, und schauen Sie wieder herein in den Oswald Blog.
Wir werden Sie über den nächsten Schritt auf dem Weg zur Imkertracht informieren, soweit es uns möglich ist.
Danke fürs Lesen,
Ihre Imkerei Oswald







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