Was zu tun ist:
(1) Völker wiegen, um die noch vorhanden Honig-Vorräte abzuschätzen
Im April ist für die Bienenvölker die größte Gefahr des Verhungerns, weil unabhängig vom Wetter große Brutflächen gepflegt werden von einer relativ geringen Anzahl von Bienen.
Bei schwachen Völkern pflegt eine Ammenbiene bis zu vier Brutzellen , bei starken Völkern pflegen zwei Ammenbiene eine Brutzelle.
Die Völker werden mit der Zeigerwage durch einseitiges abheben mit einem L-förmigen Eisenhaken von hinten gewogen und das Gewicht mit Kreide auf der Rückseite des Bienenkastens verzeichnet. Völker mit einem einseitigen Gewicht von mindestens 17kg = 34 kg Gesamtgewicht haben noch ausreichende Mindest-Honigvorräte.
Der leere Bienenkasten mit Leerwabengewicht und Bienengewicht beträgt 24 kg (= Taragewicht).
Die Mindest-Honigvorräte eines normalen Bienenvolkes sollten zu keinem Zeitpunkt im Jahr unter 10 kg fallen, da sonst das Bienenvolk leidet.
Bereits unter 5kg Vorrat beginnt ein Volk auf Sparbetrieb umzustellen, mit vielen negativen Folgen für die zukünftige Überlebensfähigkeit.
Ein Bienenvolk das schon einmal am Verhungern war, bleibt gewöhnlich für immer traumatisiert.
Deshalb nehme ich die regelmäßige Honig-Vorratskontrolle sehr ernst.
Zu leichte Völker erhalten honigschwere Waben zur Ergänzung als Randwaben, sogenannte Speckwaben, teils von schweren Völkern, teils aus dem Honigwabenlager, wie es gerade passt.
(2) Brutausgleich und Wiederherstellung der Brutnestordung als Schwarmvorbeugung
Der Brutausgleich erfolgt meist Ende März bis Anfang April, also vor Beginn der Schlehenblüte.
Genau zehn Tage nach dem Brutausgleich und der Wiederherstellung der Brutnestordung wird der Honigraum gegeben (10-Tage-Regel).
Ziel ist es, schwach ausgewinterten Völkern mit zu wenig Bienenmasse zu helfen, und gleichzeitig überstarken Völkern vor vorzeitigem Schwärmen zu bewahren.
Normale Völker sind davon nicht betroffen und bei diesen braucht kein Brutausgleich stattfinden.
Wie gehe ich vor?
Bereits zur Weidenblüte habe ich die Volksstärke mir in meinem Völkerbestandsbuch mit der Beutennummer notiert.
Die Fausregel lautet:
(A) Idealstärke bzw. Normalvolk bleibt unverändert
Ein Volk mit 6 voll mit Bienen besetzen Waben und jeweils beidseitig komplett besetzten Wabengassen zur Weidenblüte gibt nichts ab, und bekommt auch nichts dazu, es hat die Idealstärke bzw. Normalstärke. Es geht mit 8 Brutwaben in die
Honigernte.
(B) Zu verstärkendes schwaches Volk
Ein Volk mit 3 voll mit Bienen besetzten Waben und jeweils beidseitig komplett voll besetzten Wabengassen zur Zeit der Weidenblüte ist ein schwaches Volk, das Unterstützung braucht.
Es würde für die Frühtracht (
Obstblüte) zu spät kommen.
Es erhält eine voll mit Bienen besetzte Brutwabe mit verdeckelter Brut von einem mindestens 3 km entfernten Bienenstand aus einem starken Volk zur Verstärkung mitten ins Brutnest gehängt.
(C) Sonderfall Minivolk
Ein Volk nur mit 1 voll mit Bienen besetzten Wabe oder gar nur einer handvoll Bienen ist ein zu schwach, um eine Brutwabe zu erhalten. Es erhält nur eine vollbesetzte
Pollenwabe zur Verstärkung. Später in einem zweiten Schritt kann es auch ein Wabe mit verdeckelter Brut erhalten, wenn es sich bereits etwas erholt hat.
(D) Überstarkes Volk kann und soll etwas Bienen und Brut abgeben
Ein Volk mit 8 bis 12 voll mit Bienen besetzten Waben und jeweils beidseitig komplett voll besetzten Wabengassen zur Zeit der Weidenblüte ist ein starkes Volk, das Bienen und Brut -evtl auch mehrere Waben im Abstand von 10 Tagen- abgeben kann, ohne Schaden zu leiden.
Im Gegenteil, dieses leichte Schröpfen von überstarken Völkern fördert Ihre Entwicklung und Tatkraft, da bei überstarken Völkern bei Trachtbeginn sehr schnell Raumnot, Luftmangel und allgemeine Überfüllung eintreten kann. Die entnommenen Bienen und Brut kommen in einen vorbereiteten, angewärmten Leerkasten, wobei die Waben mit großen Schrauben in der Transportbeute zum Schutz vor Verrutschen fixiert werden. Auf diese Weise werden die Verstärkungswaben und Verstärkungsbienen von einem Stand zum anderen gebracht.
(3) Wie geschieht der Brut- und Bienenausgleich, wenn man nur einen einzigen Bienenstand betreibt?
In diesem Sonderfall ist eine Bienenverstärkung nur vor dem ersten Bienenflug noch vor der Haselnussblüte im Februar möglich, danach zunächst nicht mehr, erst wieder durch Ausgleich der bienenbesetzten Honigräume zur Zeit der Löwenzahnblüte.
Allerdings kann man innerhalb eines Standes mit abgekehrten Brutwaben ohne Bienen auch verstärken, nur der Effekt ist nicht ganz so gut.
Ohne den Ausgleich müssen die starken und überstarken Völker sorgsamer auf Raumnot und die Vorratssituation kontrolliert werden.
(4) Drohnenwabengabe, Baurahmengabe und Drohenwabenausgleich
An der Drohnenwabe lässt sich alles was jetzt im Bienenvolk passiert, genauestens ablesen.
Die Drohnenwabe ist jetzt mein wichtigster Entwicklungs-Indikator.
Ich kann beim Betrachten der Drohnenwabe lesen wie in einem Buch, und weiß dann genau wo sich das betreffende Volk in seiner Entwicklung steht.
Auch lässt sich über die Drohnenwabe die gesamte Entwicklung im Bienennest steuern und dirigieren.
Dadurch bin ich dem Volk immer einen kleinen Schritt voraus, und weiß dadurch genau, was das Volk als nächstes möchte oder braucht.
Dies funktioniert so:
Zunächst, werden alle Drohnenrähmchen mit einem weißen Reißnagel gekennzeichnet, der auf dem Oberträger des Rähmchens eingedrückt wird.
Ausgebaute Drohnenwaben mit und ohne Futterreste werden über den Winter im Volk an vorletzter Stelle belassen oder im Wabenlager für das Frühjahr als Reserve aufbewahrt.
Außerdem wird ein Vorrat an Leerrähmchen (Drohnen-Baurähmchen) immer bereitgehalten, welche auch mit einem weißen Reißnagel gekennzeichnet sind, und welche als Bauhilfe einen ca. 2 bis 3mm überstehenden Anfangsstreifen aus Wachs in die Nut des Oberträgers eingeschmolzen haben. Dies geschieht mit Hilfe eines Lötkolbens, mit dessen Hilfe flüssiges
Wachs in die Nut getropft wird, damit der Anfangsstreifen absolut fest sitzt, und die schwere Drohenwabe einst sicher tragen kann.
(A) Drohnenwabengabe (ausgebaut mit Honig) im Herbst oder zur Weidenblüte
Schon bei der Einwinterung wurde die Drohnenwabe an die vorletzte Stelle vor dem Ruheraum gerückt.
Während der Weidenblüte wird das Vorhandensein der Drohnenwabe kontrolliert, und mit dem Zeigefinger der Abstand zu den Waben links und rechts vergrößert, denn die Drohnenwabe ist in bebrütetem Zustand dicker als andere Waben.
Falls keine Drohnenwabe vorhanden sein sollte, wird eine ausgebaute Drohnenwabe (möglichst mit Honigecken) an vorletzter Stelle nächst dem Ruheraum in der Beute eingehängt.
(B) Kontrolle des Brutstatus der Drohnenwabe vor Beginn der Schlehdornblüte
Bei der Kontrolle der ausgebauten Drohnenwaben können vier verschiedene Fälle auftreten:
(a) Die Wabe ist unbebrütet und leer. In diesem Fall bleibt die Drohnenwabe zunächst unverändert wo sie gerade ist. Das Volk ist noch nicht so weit, kann aber durch eine verdeckelte Drohnenwabe aus einem stärkeren Volk verstärkt werden.
(b) Die Drohnenwabe ist nur zu 10% bestiftet, die meisten Zellen (90%) sind unbebrütete Zellen. In diesem Falle ist nichts zu tun, aber es muss spätestens alle 5 Tage weiter kontrolliert werden. Dieses Volk befindet sich in einer Aufwärtsentwicklung und sollte weiter nicht gestört werden.
(c) Die Drohnenwabe ist zu mindestens 50% bestiftet und teilweise verdeckelt. In diesem Falle muss man nach dem Wetter entscheiden. Wird es eher wieder kühl, bleibt die Wabe wo sie ist. Wird es oder bleibt es eher warm, so tauscht die Drohnenwabe die Position mit der letzten Wabe. Dabei werden beide Waben um 180° Grad gedreht, damit die Wabengasse zwischen den der letzten Wabe und der Drohnenwabe unverändert bleibt. Nun befindet sich die Drohnenwabe an letzter Position vor dem Wärmebrett. Spätestens nach 5 Tagen wieder kontrollieren
(d) Die Drohnenwabe ist bereits zum Teil verdeckelt und es sind keine offenen Zellen mehr frei. In diesem Fall muss die Drohnenwabe wieder an die letzte Position wie unter „c“ beschrieben. Nun muss an vorletzter Stelle ein Baurahmen eingehängt werden, um schwarmvorbeugend zu wirken. Denn so lange noch offene Drohenbrut angelegt wird, werden normalerweise keine Schwarmvorbereitungen vom Volk getroffen. Die verdeckelte Drohnenwabe wird einem schwächerem Volk eingehängt zu Stärkung des Wärmekörpers des Bien.
(e) Die Drohnenwabe ist vollverdeckelt. Hier muss man unmittelbar mit Schwarmvorbereitungen oder gar dem Auszug eines Schwarmes rechnen. Durch Tausch mit einem Baurahmen kann den Schwarmvorbereitungen vorgebeugt werden, aber es sollte nun eine Schwarmkontrolle erfolgen, um gegebenenfalls gleich Brutableger mit sogenannten Schwarmzellen zu bilden. Dafür sollten immer schon vorbereitete leer Bienenkästen neben den Völkern stehen, um schnell reagieren zu können, denn April ist die beste Zeit für Brutableger, da die Natur zu dieser Zeit aus den vollen schöpft, und Pollen und Nektar reichlich vorhanden sein sollte.
(C) Entwicklung steuern mit der Baurahmengabe
Mit der Entscheidung, ob man einen weiteren Baurahmen gibt, kann man die Entwicklung im Bienenvolk gut steuern. Dies geschieht natürlich synchron mit der Wetterentwicklung.
Können die Bienen aufgrund schlechten Wetters nicht ausfliegen muss man den Baurahmen geben, da sonst die Bienen unzufrieden werden und garantiert schwärmen beim nächsten Umschwenken des Wetters. Falls man jedoch dringend Ableger bilden will, kann es sinnvoll sein, die Wärme und Kräfte des Bienenvolkes zusammenzuhalten und nicht unnötige Energie durch Bauenlassen von Drohnenwaben zu verschwenden, da Brutableger keine eigenen Drohnen benötigen.
(D) Drohnenwabenausgleich zur Brutausdehnung
Die Drohnenwabe ist für das Bienenvolk Ausdruck seiner Kraft und überschüssigen Energie.
Deshalb, wird die Drohnenwabe besonders stark aufgeheizt und ist allgemein die Lieblingswabe der Königinnen, weil die Zellen der Drohnenwabe eine komfortablere Größe im Vergleich zu den sparsam konstruierten Arbeiterinnenzellen haben. Die Drohnenwabe ist gleichsam wie eine Heizung oder natürlicher Wärmespeicher zu sehen. Deshalb spricht man auch von Drohnenwaben als Wärmemantel und bezeichnet die darauf sitzenden Bienen als Mantelbienen.
Wenn wir nun ein brutschwaches Volk zur Ausdehnung der Nestgröße bewegen wollen, brauchen wir nur an die unbebrütete Pollenkranzwabe am Brutnest eine vollverdeckelte Drohnenwabe hängen, und die Bienen werden durch den Wärmereiz bestrebt sein, die Lücke durch zusätzliche Brut zu schliessen. Die Drohnenwabe „saugt“ das Brutnest an, sagt man in der
Imkersprache. In gleichem Maße, wenn man einem in der Entwicklung vorauseilenden Volk die vollverdeckelte Drohnenwabe wegnimmt, so sorgt man für eine willkommene Abkühlung und größeren Sauerstoffgehalt der Luft. Dadurch wird die
Schwarmlust gedämpft, wenn man dies will.