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Vier Bienenschwärme (Naturschwärme) von Imkerei Oswald in einer Waldkiefer auf dem Bienenstand von Imkermeister Oswald in Südbayern, Deutschland. Foto: bio-honig com

Inhaltsverzeichnis

Warum schwärmen die Bienen?

Honigbienen verfolgen damit fünf Ziele gleichzeitig

Gesundung, Erneuerung, Teilung, Vermehrung, und Ausbreitung der Bienenpopulation

Warum schwärmen die Bienen eigentlich?

Auslöser sind entweder Raummangel oder Zerfall der Volksharmonie.

Es ist Schwarmzeit.

Gelegentlich bilden sich Wolken von Bienen, die sich zunächst in der Nähe des Bienenstandes, von dem sie kommen, im Astwerk eines nahen Baumes niederlassen.

Dann ziehen sie weiter übers Land und lassen sich gern in Hausgärten, an Sträuchern oder Bäumen nieder.

Sie bilden dort  kleine oder größere Schwarmtrauben, die manchmal auch gigantische Ausmaße haben können.

Ein langgezogener Bienenschwarm, wie er an einem Eichenast hängt.
Ein schwerer Naturbienenschwarm (Vorschwarm) an einem Ast einer Eiche hängernd (dahinter Kirschbaum). Das Gewicht des Schwarmes, der bei 7 kg bis 8 kg liegen dürfte, biegt den Eichenast nach unten, so dass der Ast zu brechen droht. Foto: Imkerei Oswald bio-honig.com

Was löst den Schwarmakt aus?

Vorratskammern sind gut gefüllt, alle Brutzellen sind besetzt

Zwei kleine Bienenschwärme an einer Eiche hängend.
Zu Beginn des Schwarmaktes ist der noch ungeordnete Schwarm oft aufgeteilt in mehrere lose Trauben von Bienen. Foto Imkerei Oswald Ende Mai 2016

Gegen Ende der Hauptfrühjahrsblüte sind die Vorratskammern der Bienen gut mit Nektar, Bienenbrot und Honig gut gefüllt.

Währendessen erreicht die Ausdehnung der Brut im Brutnest sein Maximum.

Die meisten Brutzellen sind mit Puppen besetzt, die kurz vor dem Ausschlüpfen stehen. Diese Flächen sind großflächig „verdeckelt“, also mit einem Wachsdeckel verschlossen.

Diese Situation führt dazu, dass ein Großteil der Jung- und Ammenbienen arbeitslos wird, die ja normalerweise die sehr jungen Maden laufend mit Gelée Royale (Bienenmilch) aus Ihren Kopfdrüsen füttern.

Da die Jung- und Ammenbienen normalerweise eine eiweißreiche Pollennahrung zu sich nehmen, erzeugen sie laufend Gelée Royale, das ist Bienenmilch.

Wenn aber die Jungbienen keine neuen Bienenbabys (junge Bienenmaden und Bienenlarven) mehr füttern können, beschließen sie nun mit Hilfe ihrer kollektiven Intelligenz Königinnen aufzuziehen, da Sie mit der Legeleistung der Königin sozusagen unzufrieden sind.

 

Nachdem die Jungbienen aber aus besagtem Grund -Platzmangel- keine neuen Bienenbabys (junge Bienenmaden und Bienenlarven) mehr füttern können, beschließen sie nun mit Hilfe ihrer kollektiven Intelligenz Königinnen aufzuziehen.

Hierzu bauen sie zunächst sogenannte Spielnäpfchen, dann Weisel-Becher, dann Weisel-Krüge und schließlich Weisel-Zellen, die ungefähr wie ein Fichtenzapfen aussehen.

Darin befindet sich sehr viel Bienenmilch oder Gelée Royale, der als Nahrung für die Prinzessinnen oder zukünftigen Bienenköniginnen dient.

Die Ammenbienen sind aber hier nicht geizig, sondern legen oft sehr viele solche Weisel-Zellen an, meist  zwischen drei und achtzehn Stück.

Zwei Schwarmtheorien: Futtersaftstautheorie und Pheromontheorie

Trifft eventuell eine Kombination aus beiden Theorien zu?

Es gibt bei der Forschung nach den Ursachen nach den Auslösern des Schwarmtriebes verschiedene Ansätze. Vererbung und Umwelt beeinflussen die Schwarmneigung.

Welche Faktoren begünstigen die Schwarmneigung?
  • Erstkreuzungen weit entfernter Genetik, sogenannte F1 besitzen eine erhöhte Schwarmneigung, insbesondere Kreuzungen mit Carnica.
  • Bienenvölker, die in der prallen Sonne stehen, haben eine um 100% höhere Schwarmquote als Völker im Schatten.
  • Völker mit zu großem, zu kleinem, verpolltem oder verhonigtem Brutnest neigen ebenfalls zum Schwärmen.

Ist der Brutraum zu groß und zu weit ausgedehnt, verlieren die Jung- und Ammenbienen den Kontakt mit ihrer Mutter, der Bienenkönigin.

Sie bekommen dann zu wenig vom Königinnenpheromon, mit dem die Königin das Volk zusammen hält.

Die Folge von diesem unfreiwilligem Entzug von dem Glückshormon „Königinnensubstanz“ führt zu Scharmvorbereitung durch die Jung- und Ammenbienen.

Man nennt diese Schwarmtheorie auch „Pheromontheorie“.

Die andere Theorie nennt man Futtersaftstautheorie

Wenn die Königin keinen Platz mehr zum Eierlegen hat, weil das Brutnest entweder zu klein, verpollt, verhonigt, oder alles zugleich ist, dann verschiebt sich das Verhältnis zwischen offener Brut (Eier, Maden Larven) in Richtung verdeckelter Brut (Puppen).

Wenn aber wegen dem Mangel an freier Zellen es kaum mehr jungen Larven mit Bedarf an Bienenmilch/Futtersaft (Gelée Royale) gibt, staut sich nach der Futtersafttheorie das Gelée Royale im Kopf der Jungbienen.

Dies ist nach der Futtersafttheorie von Altmeister GERSTUNG  ein allwa entscheidender Schwarmauslöser.

Oftmals sind aber die Imker selbst unwissend die Schwarmauslöser

Die rechtzeitige und individuelle Gabe ausgebauter Hongräume in schneller Folge sind die Lösung

Der Goldschatz des Imkers sind seine Honigwaben.

Dieser Vorrat an Honigräumen mit ausgebauten Honigrähmchen wird das ganze Jahr gepflegt, sortiert, gehütet, und in einem sauberen, kühlen und trockenem Raum gelagert.

Wie weiß ich, wann ich den Bienen einen von den eingelagerten Honigraum zu geben habe?

Einerseits durch Beobachtung der Schlehenblüte, welche bei uns die erste reichhaltige Tracht darstellt, andererseits durch genaue Verfolgung der Wetterlage und Wetterprognose.

Entscheidend ist aber die Drohnenbaurähmchen an vorletzter Stelle im Brutnest zwischen der sechsten und achten Dadantwabe.

Sobald das Drohnenbaurähmchen ausgebaut und bestiftet wird, vertauscht es seine Position mit der letzten Wabe (Futterwabe), und das Absperrgitter mit dem ersten ausgebauten Honigraum wird aufgesetzt.

Die Prinzessinnen kommunizieren mit für das menschliche Ohr kaum wahrnehmbaren Tönen

Bienen und Wale haben eine eigentümliche Übereinstimmung

Wenn die Weisel-Zellen nach 15 oder 16 Tagen schlupfreif sind, kommunizieren die Prinzessinnen untereinander doch sogenanntes Tuten, das sind auch für das menschliche Ohr wahrnehmbare Töne, die sich so ähnlich wie der Ton des Shofars (Widderhorn) oder der Gesang der Wale anhört. Hier zeigt sich wieder, dass die größten und die kleinsten Tiere oft Ähnlichkeiten teilen, wie zum Beispiel die Vorliebe der Bären für Honig. Dieses Tuten warnt auch die bereits vorhandene Königin im Volk, vor der bevorstehenden Gefahr des Schlupfes der Jungköniginnen.

Dieses Tuten warnt auch die bereits vorhandene Königin im Volk, vor der bevorstehenden Gefahr des Schlupfes der Jungköniginnen.

Sie ist deshalb in Gefahr, weil das Bienenvolk, das um größtmögliche Einheit bemüht ist, immer nur eine einzige Königin duldet. Würde die alte Königin die Warnsignale ignorieren, müßte sie sich auf einen Zweikampf einstellen, den sie nicht gewinnen kann, denn die jungen Prinzessinen sind schneller und entschlossener und damit weit überlegen.

Eine hohe Holzleiter steht auf einem Bienenstand neben gestapelten Beuten, bereit zum Einfangen eines Bienenschwarms, der im Baum hängt.
Schwarmfang: Für den Schwarmfang verwendet der Fachmann eine hölzerne Obstbauleiter mit Treppenstufen, die man in jedem Gelände, auch im Hang sicher aufstellen kann. Imkerei Oswald 2016

Fluchthilfe für die alte Königin

Der alten Königin eine neue Chance durch Auswanderung ermöglichen

Nahaufnahme von Salbei und hohem Gras, im Hintergrund ist eine Bienenschwarmtraube mit vielen fliegenden Bienen zu sehen.
Schwärmendes Bienenvolk im Rondell der Imkerei Oswald. Die Königin befindet sich irgendwo in dem Getümmel. 2016.

Um der alten Königin zu einer Chance zur Flucht zu verhelfen, wurde sie von Ihrem Hofstaat aus Jungbienen auf Diät gesetzt. Durch diese unfreiwillige Schlankheitskur hat die alte Königin an Gewicht verloren, um wurde dadurch wieder flugfähig. Sie ist nun in der Lage, mit exakt der Hälfte der Bienen -einem Gemisch aus Bienen aller Altersstufen- als Schwarm auszuziehen zu einem noch ungewissen Bestimmungsort.

 

Schwarmrausch und Schwarmtaumel

Bienen stürzen und taumeln aus dem Flugloch heraus ins Freie

Durch die Prinzessinnen gewarnt, gleichzeitig begünstigt durch eine bestimmte Wetterkonstellation -schwülwarmes Wetter- geraten die Bienen wie auf Kommando in einen Art Schwarmrausch bzw. Schwarmtaumel, und stürzen Hals über Kopf aus dem Flugloch ins Freie hinaus. Sie steigen in die Lüfte und fliegen in einem unüberhörbaren lautem Summton in wilden Lemniskaten scheinbar durcheinander (Eine Lemniskade ist eine schleifenförmige geometrische Kurve in der Form einer liegenden Acht).  Das ganze Spektakel erinnert an Himmelskörper und Galaxien, die sich durch das Universum auf bestimmten Bahnen bewegen. Die Wolke schwebt dann langsam Richtung eines bestimmten Baumes, meist ein Bienenbaum wie die Eiche, Kirsche, Weissdorn, Mispel oder Kiefer.

Die Wolke schwebt dann langsam Richtung eines bestimmten Baumes, meist ein Bienenbaum wie die Eiche, Kirsche, Weissdorn, Mispel oder Kiefer.

Die westlichen Honigbienen sind sogenannte Kulturfolger, das heißt sie profitieren von der Anwesenheit von menschlichen Siedlungen. Daher wissen die Bienen durch ihre kollektive Intelligenz instinktiv, dass ihre Überlebenschance in Hausgärten und Siedlungen und Gehöften höher ist, als in der leeren, ausgeräumten Landschaft oder im öden Plantagenwald.

Majestätisches Astwerk einer Eiche, schönes Streulicht fällt durchs junge Laub.
Die Eiche liefert nicht nur Eichenhonig, sondern sie ist auch ein guter Schwarmbaum. Waldbienenstand Imkerei Oswald 2016.
Draufsicht eines geöffneten, leeren Bienenkastens auf Zwillingssockel.
Eine Bienenwohnung, vorbereitet für die Ein logierung eines Bienenschwarmes.

Auf echtem Bienenweideland oder im Naturschutz-Bienenwald ist die Chance größer, dass sich ein Mensch findet, der Verantwortung übernimmt, der sich kümmert, der einen Imker anruft, damit die Bienen gerettet werden können.

Wodurch und wie wird die Größe des Schwarmes festgelegt?

In der Regel kommen vier Schwärme auf ein Bienenvolk

Die Größe des Schwarmes bestimmt die Größe der Beute. Der erste Schwarm, der sogenannte Vorschwarm mit der Altkönigin, nimmt etwa 50% der Bienen mit, der Zweite, der sogenannte Nachscharm mit der Jungkönigin nimmt von den verbleibenden Bienen nochmals die Hälfte an Bienen mit, also 25% des Ausgangsvolkes. Dann folgen weitere kleine Bienenschwärme zu 12,5% und 6,25%, jedoch ist dann oft die Untergrenze der Existenzfähigkeit eines Schwarmes erreicht, so dass wir im Regelfall auf vier Schwärme pro Volk kommen.

Der erste Schwarm, der sogenannte Vorschwarm mit der Altkönigin, nimmt etwa 50% der Bienen mit, der Zweite, der sogenannte Nachscharm mit der Jungkönigin nimmt von den verbleibenden Bienen nochmals die Hälfte an Bienen mit, also 25% des Ausgangsvolkes.

Bienen haben sich zum Sterzeln auf dem Flugbrett in einer dreieckigen Formation angeordnet.
Wenn Jungköniginnen ausfliegen, geben daheimgebliebene Bienen oft Duftsignale für eine sichere Rückkehr ab.

Eine neue Chance für die Bienen, Ihren Standort zu verbessern

Die Bienen senken dadurch den Futterbedarf und Wärmebedarf, sparen also Energie

Ein Öko-Bienenkasten aus dunklem Massivholz, auf dem Flugbrett sitzen zehntausende von Bienen.
Der neu einlogierte Bienenschwarm in seiner neuen Behausung.

Wenn alle abgeflogenen Schwärme eine neue Behausung finden würden, wären mit  unserem Alt-Volk insgesamt 5 Völker geworden. Die vier Nachschwärme haben die Chance einen völlig neuen Waben-Bau und Brut-Nest zu errichten, mit neuer Genetik. Sie haben auch die Chance, sich im Standort, Geländeklima und Kleinklima zu verbessern. Dies alles ist Teil der Antwort auf die Frage: Warum schwärmen die Bienen. Ein weiterer Aspekt ist jedoch dieser: Wenn all die Bienen im Alt-Volk verblieben wären, würden diese einen enormen Futterbedarf und Wärmebedarf darstellen, deshalb ist es für das Alt-Volk besser, die überschüssigen Bienen auf die Reise nach neuen Honigjagdgründen zu schicken.

Wenn all die Bienen im Alt-Volk verblieben wären, würden diese einen enormen Futterbedarf und Wärmebedarf darstellen, deshalb ist es für das Alt-Volk besser, die überschüssigen Bienen auf die Reise nach neuen Honigjagdgründen zu schicken.

Wie funktioniert gutes Schwarmmanagement im Imkerei-Fachbetrieb?

Die wichtige biologische Rolle der kleinen Mini-Schwärmchen

Das Dilemma der großen Bienenschwärme ist Folgendes: Sie sind meist sogenannte Vorschwärme, das heißt, sie beinhalten die alte Königin.

Das ist zwar zunächst ein Vorteil, weil sich die Königin am Leistungshöhepunkt befindet, und sehr schnell ein neues, großes Brutnest aufbauen kann.

Allerdings läßt die Leistung dann mit ersten kühleren Tagen im September merklich nach. Die Folge davon ist, dass Schwärme meist im Herbst schwächeln.

Zum Glück gibt es ein Mittel dagegen: Man logiert auch die ganz kleinen Nach-Schwärmchen mit den Jungköniginnen ein, und vereinigt diese später im Jahr mit den Vorschwärmen.

Dadurch kann man den großen Nachteil der großen Schwärme, den Einbruch der Legeleistung im Spätsommer komponsieren, und die alte Königin durch eine junge Königin ersetzen.

Der kleine Schwarm bringt nicht nur die junge Königin, sondern auch zusaätzliche Bienenmasse und viel Honig mit.

Die Mini-Schwärmchen wurden während der Schwarmzeit alle einzeln in Mini-Plus Magazine aus Holz einlogiert, die Kästen farblich individuell gekennzeichnet, und in Einzelfreiaufstellung auf speziellen Anpaarungsplätzen aufgestellt, für eine optimierte Begattung.

Honigbienen in spektakulärer Nahaufnahme, leuchtend golden im Sonnenlicht.
Beim Einzug ins neue Heim ist das Gedränge groß. Apis mellifera hallertauensis, Imkerei Oswald 2016
Logo Imkerei Oswald Bienenhof in der Hallertau: Ein Bienenstock mit dem Namen Oswald Bienenhof inmitten der idyllischen Hallertau.

Danke fürs Lesen

Der Unterschrift von Hans Georg Oswald
Hans Georg Oswald
Imkermeister
Eine Cartoon-Grafik eines altmodischen Bienenstocks, um den Honigbienen herumschwirren.

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Der Imkermeister Hans Georg Oswald in seinem lieblings Hut.

Geschrieben von

Imkermeister. 1969 in Burghausen an der Salzach in Oberbayern geboren. 1990 Studium in Passau und Colorado. 1997 Gründung der ersten ökologischen Berufsimkerei Niederbayerns. 2000 Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung. 2002 Gemeinsam mit seiner Frau Ruth Aufbau des Bienenhofes im Isar-Hügelland. 2010 Prämierung für herausragende Produktqualität und Ökologische Besonderheiten des Betriebes, Nachhaltigkeit am Hof und soziale Verantwortung.
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