Neue archäologische Erkenntnisse im Isar-Donau-Hügelland

Der Begriff Isar-Donau-Hügelland bezeichnet die hügelige Landschaft zwischen den Flüssen Donau und Isar. Die Landeshauptstadt Bayerns, die Stadt München, liegt bekanntlich an der Isar. Die nächste größere Stadt isarabwärts ist Landshut, Hauptstadt von Niederbayern. Das Gebiet des Isar-Donau-Hügellandes liegt zwischen der von den Römern gegründeten alten Kaiserstadt Regensburg und der alten Herzogsstadt Landshut.

Isartal

Blick von der Burg Trausnitz zu Landshut auf das Isartal.

Am Donnerstag, den 06.10.2016 lud der Verein „Tradition und Brauchtum“ ins Zeughaus auf der Grieserwiese zu einem Vortrag des Landshuter Kreisarchäologen M.A. Thomas Richter. Der Titel des Vortrages lautete „(K)eine Stadt aus dem Nichts“. Dabei erläuterte er anschaulich die neuesten Theorien über die Anfänge der Stadt Landshut.

Titel des Vortrages vom Landshuter Kreisarchäologen Thomas Richter.

Landkreis Landshut. Eine Stadt aus dem Nichts. Die früh- und hochmittelalterliche Besiedelung der Region Landshut im Lichte archäologischer Ausgrabungen.

Die alte römische Fernstraße von Venedig nach Regensburg

Bis ins Hochmittelalter dienten die alten römischen Fernstraßen als Verkehrswege, neue Fernstraßen wurden selten bis gar nicht angelegt. Eine alte wichtige Fernstraße war die Römerstraße von Venedig über Salzburg nach Regensburg. Diese Straße kreuzte die Isar auf einer natürlichen Furt etwas nördlich von Landshut, auf Höhe des Naherholungsgebietes Gretlmühle.

Die römische Fernstraße von Augsburg nach Konstantinopel

Eine weitere wichtige römische Fernstraße, die Straße von Augsburg nach Konstantinopel, verläuft zunächst auf der rechten Isarseite, und kreuzt dann kurz vor Landshut zwischen Niedererlbach, Weixerau und Altdorf die Isar.

Die beiden Römerstraßen kreuzen sich irgendwo links der Isar im Bereich zwischen Ergolding und Altheim

Die Besiedelung Ergoldings, das heute mit der Stadt Landshut zusammenwächst, ist seit 600 archäoloigsch erfassbar. In dem Gebiet war schon in vorgeschichtlicher ein Erdwerk, das zu astronomischen Zwecken diente, eine Art niederbayerisches Stonehenge. Auch wurde bei Altdorf der größte bekannte bayuwarische Friedhof ausgegraben.

Das karolingische Königsgut Ergolding

An der Isar reihten sich die drei karolingischen Königsgüter Moosburg, Ergolding und Landau aneinander. Bei Ergolding ist der Aufenthalt der königlichen Entourage in den Jahren 822-824 nachgewiesen. Die Burg und der Königshof sind baulich nicht mehr vorhanden, aber archäologisch erfaßt. Ergolding war ein komplexes Zentrum mittelalterlichen Lebens, mit reicher Viehzucht, Milchverarbeitung, Metallverarbeitung und mehreren Kirchen und Kapellen.

Ludwig der Kehlheimer will einen Territorialstaat gründen

Die römisch-katholische Kirche beanspruchte im Mittelalter Rechtsnachfolger des römischen Reiches zu sein. Der Bischof von Regensburg hatte deshalb im Mittelalter als Kurfürst mehr Macht als die wittelsbacher Herzöge. Dies mißfiel dem bayerischem Herzog Ludwig dem Kehlheimer. Im Zuge der Aufbruchstimmung, die mit dem Beginn der Kreuzzüge ins Heilige Land losbrach, gründete Ludwig der Kehlheimer genau an der Grenze der Diözese Regensburg eine ganze Zahl von Städten, um die Macht des Bischofs zu schwächen. Darunter befand sich auch die Gründung der Stadt Landshut, die ja rechts der Isar, genau an der Grenze  liegt. In der Mitte der Isar befindet sich nämlich die Grenze zwischen der Diözese Regensburg und der Diözese Freising-München.

Ergoldings Status als Großsiedlung endet um 1150

Das Ende von Ergoldings Status als Großsiedlung im Isar-Donau-Hügelland fällt zeitlich fast zusammen mit der Gründung Landshuts im Jahr 1204. Dies erklärt auch den kometenhaften Aufstieg Landshuts im Mittelalter und dem Bau des höchsten Backsteinturmes der Welt. Die Auflösung  der Großsiedlung Ergoldings kam Landshut, das auf der anderen Isarseite liegt, perfekt zugute. Dabei ist festzustellen, dass Ergolding aus politischem Willen des Herzogs aufgelöst wurde, um Resourcen für seinen Traum von einem Bayerischen Territorialstaat im Isar-Donau-Hügelland freizubekommen.

Welche Rolle spielt hierbei die Burg Trausnitz?

Neue archäologische Erkenntnisse belegen eine hölzerne Befestigungsanlage, die seit dem Jahr 900 an der Stelle des heutigen sogenannten Fürstenbaues existierte. Sie war auf diesem Geländesporn nach Norden durch drei imposante Wälle geschützt, von denen zwei heute noch in der heutigen Anlage der Burg erkennbar sind.

Wittelsbacher Turm auf der Burg Trausnitz.

Wittelsbacher Turm auf der Burg Trausnitz

Fürstentreppe und Pulverturm.

Fürstentreppe (Ochsenklavier) und Pulverturm.

Blick isaraufwärts Richtung München.

Blick isaraufwärts Richtung München.

Bildnis der Herzogin Jadwiga mit Taube, Polnische Königstochter und Gemahlin Georgs des Reichen (Landshuter Hochzeit 1475).

Bildnis der Herzogin Jadwiga mit Taube, Polnische Königstochter und Gemahlin Georgs des Reichen (Landshuter Hochzeit 1475).

Bildnis der Herzogin Jadwiga mit Taube, Polnische Königstochter und Gemahlin Georgs des Reichen (Landshuter Hochzeit 1475).