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Nahaufnahme eines strukturierten, goldgelben Blocks, der an Bienenwachs oder eine feste Seife erinnert, mit sichtbaren Oberflächenlinien.

Wie man echtes Bienenwachs von Verfälschtem einfach unterscheiden kann | Imkerei Oswald

Wie man echtes Bienenwachs von Verfälschtem einfach unterscheiden kann

Echtes Bienenwachs läßt sich äußerlich leicht unterscheiden von verfälschtem Bienenwachs

Woran erkennt man reines, unverfälschtes Bienenwachs?

Echtes, unverfälschtes Bienenwachs oxidiert mit der Zeit, vor allem an der kühleren Luft, das heißt, dass die Oberfläche des Wachses beschlägt, bzw. eine weiße Oxidationsschicht bekommt, die sich aber mit einem Tuch leicht wieder abwischen läßt. Dies ist das erste entscheidende Charakteristikum.

Das zweite Merkmal, an dem man echtes Bienenwachs erkennt, ist der Duft. Echtes Bienenwachs verliert an der Oberfläche mit der Zeit den Duft. Das bedeutet, dass wenn man an der Oberfläche riecht, zunächst der Duft kaum warhnehmbar ist. Erst wenn am Wachs gerieben wird, oder es verarbeitet wird, verströmt das Wachs seinen dezenten, angenehmen und edlen Duft.

 

 

 

 

Warum riecht echtes Bienenwachs nicht stärker nach Honig?

Das Bienenwachs entfaltet erst seinen Duft, wenn es mindestens auf Bienenstocktemperatur erwärmt wird, das sind 36° Celsius.
Sobald die Kerze eine Weile brennt, und sie ganz nah an den flüssigen Brennteller herangehen, kann man deutlich den Geruch nach Honig wahrnehmen, je nach Wachssorte kann dieser unterschiedlich ausfallen.
Wachs von Lindenhonigwaben ist deutlicher wahrzunehmen als Honigwaben von Vielblütenhonig.
Sobald man diesen Duft „gelernt“ hat, wird man ihn später auch im ganzen Raum wahrnehmen, in dem die Bienenwachskerze brennt.
Das Problem: Im Handel gibt es gelb gefärbte Paraffinkerzen, die mit einer dünnen Schicht Bienenwachs überzogen sind, welches mit künstlichem Honigduft aromatisiert sind.
Der künstlicher Duft ist sehr intensiv und 100 mal stärker als der natürliche Duft.
Deshalb sind viele Menschen erst einmal enttäuscht, wenn Sie echtes Bienenwachs in den Händen halten, da sie meinen, es müsste intensiver riechen.
Der Geruch entfaltet sich jedoch erst bei Wärme, das ist eine Besonderheit.
Beim Honig ist es übrigens ähnlich. Gefälschter Honig schmeck anfänglich stärker nach Honig als der echte Honig.
Aber nach einer Weile kehrt es sich dann um.

Wie erkennt man verfälschtes Wachs?

Zum einen fehlt die Fähigkeit, den weißen Belag, den sogenannten „Wachsschimmel“, zu bilden (siehe oben).  Der Wachsschimmel ist kein echter Schimmel, sondern eine Reaktion mit der Luft, vor allem bei kühleren Temperaturen auftritt. Das verfälschte Wachs ist immer gleich gelb, und bekommt diese weiße Schicht an der Oberfläche nicht.

Das zweite Merkmal zur Erkennung von Wachsverfälschungen ist der Duft. Das verfälschte Wachs riecht immer gleich penetrant und intensiv. Eine geübte Nase kann sofort die Mineralölbestandteile, die immer etwas „streng“, „scharf“ oder „beißend“ nach Lösungsmittel riechen, deutlich erkennen.

Wie weitreichend ist der derzeitige Wachsskandal in Deutschland?

Der derzeitige Wachsskandal in Deutschland ist eine Tragödie riesigen Ausmaßes, da die junge Brut der Bienen durch dieses verfälschte Wachs abstirbt und die Waben ihre Stabilität verlieren.

Die Honigbienenbestände nehmen weltweit ab, und die derzeitige Wachsverfälschung trägt zum weiteren Niedergang der Honigbienen in Deutschland bei.

Hunderttausende von Imker tauschen seit ca. 1960 bis zur Gegenwart das Bienenwachs Ihrer Bienen gegen vorgefertigte Mittelwände um.

Dabei wurden viele von ihnen teilweise unverschuldet Opfer von Wachsbetrug und Wachsverfälschungen, die sich aufgrund dieses Kreislaufes von Wachstausch fortlaufend in den Waben anreichern konnten.

Heutzutage gibt es leider europaweit zunehmend Ersatz-Bienenwachs zum Beispiel aus Sonnenblumenwachs  zu kaufen, das jedoch zur Schande der Kontrollbehörden als reines Bienenwachs angeboten wird, und regelmäßig die Wachskreisläufe der Imker und der Wachsverabeiter gefährdet.

Die Gefährdungslage hierfür nimmt laufend immer weiter zu, vor allem durch den Vertrieb über Amazon und Hersteller von petrochemischen Wachs-Produkten an ahnungslose Imker.

Wie können sich Imker und Verbraucher vor dem Wachsbetrug schützen?

Regel Nr. 1: Urprodukte nicht bei Amazon, nicht bei Discountern, und nicht bei der Industrie kaufen

Urprodukte kauft man am besten beim Urproduzenten, weil dann sämtlicher Zwischenhandel wegfällt.

Bei der Urproduzentin oder dem Urproduzenten ist im Idealfall eine 100%ige Rückverfolgbarkeit zu den Bienenstöcken und zur Landschaft, in der sie stehen, gewährleistet.

Sehr kleine Imkereien wären ideal, praktizieren aber oft Wachstausch, und brauchen das Wachs meist selber.

Sehr große Imkereien wandern meist, und der Überblick und die Liebe zum Detail geht verloren.

Deshalb sind mittlgroße Imkereien mit ca. 50 Bienenvölkern ideal für den Kauf von Bienenwachs.

 

 

Wie fälscht die Industrie mit den Discountern die Urprodukte?

Aus Erfahrung kann man sagen, dass sich die Produkte mit jeder Handelsstufe in der Regel um 50-90% verteuern.

Die Industrie hat mit den Discountern in den letzten 50 Jahren ein vierteiliges System entwickelt, um den Anteil, den die Urproduzenten vom Verkaufspreis erhalten, auf ein Minimum zu senken.

Dieses vierteilige System funktioniert so:

(1) Graduell steigender Austausch von teuren Inhaltsstoffen durch billige Füllstoffe. Beispiele:

  •  25% Paraffin in Bienenwachs, dann 50% Sonnenblumenwachs im Bienenwachs
  • 90% Palmöl in Olivenöl
  • 90% Reissirup im Honig
  • 75% Kornbranntwein im Whiskey
  • 40% Wasser im Wein
  • 80% Wasser in den Kartoffeln
  • 20% Wasser und Zuckerstoffe in der Wurst
  • 25% Zusatzstoffe in Kaffeebohnen, um sie schwerer zu machen

(2) Ergänzung von Zusatzstoffen, welche die Laboranalysen und den Verbraucher täuschen

  • Bei Bienenwachs, Olivenöl, Kaffee und Wein werden exakt diese Stoffe ergänzt, nach welchen in den Laboranalysen gesucht wurd. Deshalb bestehen diese gefälschten Produkte spielend die Laboranalysen der Lebensmittelüberwachung.
  • Beim Honig geschieht dies durch zum Beispiel durch präzisionsdosiertes Hinzufügen von Europäischen Pollen zum Chinesischen Reis- oder Maissirup.

(3) Industrienahe Stiftungen und Institute erteilten ihren Segen

  • Stiftung Warentest und Ökotest haben seit den 1990er Jahren Honige aus EG-und Nicht-EG-Ländern des Discounters Aldi mit der Gesamt-Note „sehr gut“ bewertet, obwohl diese Honige keinen Pollen enthielten und augenscheinlich mit chinesischem Sirup gestreckt waren. Diese Honige wurden für 99 Pfennig in riesigen Pyramiden am Eingang der Aldi Filialen postiert und beworben, und haben neben billigem Olivenöl, Kaffee und Wein zum Aufstieg des Aldi-Imperiums maßgeblich beigetragen, alles auf dem Rücken der Imker, Oliven-Kleinbauern und Winzer.

(4) Verunglimpfung der echten Urprodukte

  • Immer wenn die Urproduzenten (in diesem Fall die Imker) gegen den Betrug aufbegehren, reagiert die Industrie sofort mit Bestrafung derselben.
  • Als kürzlich der Honigskandal in Deutschland aufgedeckt wurde, reagierte die Honigindustrie sofort mit einem Ankaufstopp für Blütenhonig und Senkung sowohl des Ankaufpreises auf 2,50€ Pro Kilogramm Honig, und gleichzeitig Senkung des Verkaufspreises auf 1,99€ pro Pfund.

 

Fazit: Nur 100% Rückverfolgbarkeit zum Ursprung bringt Sicherheit

Ideal: 100% lokaler Ursprung mit maximaler Transparenz aller einzelnen Verarbeitungsschritte (auch lückenlose Prozessqualität genannt)

Beim Bienenwachs empfehle ich für den Zukauf diese Kriterien:

  1. Mittelgroße Imkerei mit +/- 50 Bienenvölkern
  2. Standortimkerei in einer schönen Landschaft ohne Wanderungen
  3. Imkerei generell mit eigener Wachsstrecke (das verkaufte oder verbrauchte Wachs wird immer wieser neu im eigenen Betrieb erzeugt)
  4. Als Rauchmaterial bei der Arbeit an den Bienenvölkern werden nur 100% natürliche Rauchkräutermischung  verwendet, keine zusammengerollte Pappe oder Eierkartons.
  5. Die Varroabehandlung verzichtet auf synthetische Mittel, sondern erfolgt nur mit organischen Säuren, die natürlich im Honig vorkommen, vollständig abgebaut werden, und keine detektierbaren Rückstände im Wachs bilden.
  6. Zertifizierung der Bienenvölker und des Bienenwachses zum Beispiel durch Biokreis oder Demeter.
  7. Trennung von Brutraum und Honigraum. Dadurch werden bebrütete Waben von unbebrüteten getrennt. Es entstehen dadurch zwei getrennte Wachsqualitäten, dunkles Brutraumwachs und helles Honigraumwachs.
  8. Gewinnung des Bienenwachses durch den Sonnenwachsschmelzer. Dieses Wachs bezeichne ich als „Sonnenwachs“. In der Aufangschale befindet sich entweder Bienenhonig oder destilliertes Wasser. In den Sonnenwachsschmelzer gelangen nur hygienisch einwandfreie Waben. Die Auffangschale für das Wachs ist aus Edelstahl und wird täglich gereinigt.
  9. Verschimmelte Waben oder Waben von toten Bienenvölkern dienen nicht zur Wachsgewinnung, sondern werden verbrannt.
  10. Wer alle diese Punkte beherzigt, wird einen der faszinierendsten und seltensten Stoffe der Welt in den Händen halten.
Logo Imkerei Oswald Bienenhof in der Hallertau: Ein Bienenstock mit dem Namen Oswald Bienenhof inmitten der idyllischen Hallertau.

Danke fürs Lesen

Der Unterschrift von Hans Georg Oswald
Hans Georg Oswald
Imkermeister
Eine Cartoon-Grafik eines altmodischen Bienenstocks, um den Honigbienen herumschwirren.

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Der Imkermeister Hans Georg Oswald in seinem lieblings Hut.

Geschrieben von

Imkermeister. 1969 in Burghausen an der Salzach in Oberbayern geboren. 1990 Studium in Passau und Colorado. 1997 Gründung der ersten ökologischen Berufsimkerei Niederbayerns. 2000 Meisterpreis der Bayerischen Staatsregierung. 2002 Gemeinsam mit seiner Frau Ruth Aufbau des Bienenhofes im Isar-Hügelland. 2010 Prämierung für herausragende Produktqualität und Ökologische Besonderheiten des Betriebes, Nachhaltigkeit am Hof und soziale Verantwortung.
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Luterán Imker Slovakia
Luterán Imker Slovakia
Gast
15. Januar 2026 17:07
Meine Bewertung :
     

Vielen Dank für Ihren interessanten Artikel
Wie man echtes Bienenwachs von Verfälschtem einfach unterscheiden kann

Johanna Pühringer
Johanna Pühringer
Mitglied
7. Dezember 2024 16:09
Meine Bewertung :
     

Sehr geehrter Herr Oswald, bei der einfachen Suche in Google fand ich als ersten link Ihre Seite und bin schon wegen der wunderbaren Fotos hängengeblieben. Das Unterscheidungsmerkmal – unechtes/echtes Bienenwachs – mit dem Beschlag wusste ich nicht. Alle anderen Merkmale (Geruch, Farbe) haben meine Vermutung bestätigt, dass es ja am Markt niemals so viel reines Bienenwachs geben kann, wie angeboten wird. Auch diverse (sich selbst als Kundige ausgebende und mit blumigen Bezeichnungen ihre Identität festigenden) Bezeichnungen wie Kräuterhexe, Waldfee, Waldzauberin usw. machen mich noch skeptischer. Die kaufen für ihre diversen Kosmetikprodukte Pellets und sonstiges Zeug zu und picken ein liebes Mascherl drauf.
Ich kenne mich mit Bienen und dem Honig wirklich sehr laienhaft aus, lese aber gerne in meinem Buch Tautz „Phänomen Honigbiene“ und höre interessiert zu, wenn ich über Wildbienen etwas höre. Ein wenig ist es wie mit dem echten Lavendelöl, das schon in den frühen 1980er Jahren Hektoliterweise, angeblich aus der Provence stammend, von einem Kosmetikhersteller namens Yves Rocher zu Reiner Natukosmetik verarbeitet wurde.
Als ich vor drei Jahren meinem Cousin einmal seinen selbst gezüchteten Lavendel ( Versuch) schneiden geholfen habe, habe ich am eigenen Kreuz gespürt, was ein Tropfen Lavendelöl für ein Arbeitsleben beinhaltet. Und das hat grasig geschmeckt, weil natürlich mit den Stängeln destilliert. Wächst aber mittlerweile schon im Mühlviertel auf über 750 m Seehöhe. Hat auch was!

Mein Bruder hat einmal eine Honigkiste gebaut und da haben Bienen einmal selbst gebaut. Natürlich hat er ihnen dann ihr Wachs gelassen, das meiste zumindest und wir haben halt ein wenig gesuzelt. Mir ist auch aufgefallen, dass in Griechenland in kleinen Dörfern es echt phantastischen Honig gab. Der schmeckte so wie die Landschaft und natürlich so wie der Eintrag. Über meine anthroposophischen Freunde habe ich mich anfangs ein wenig lustig gemacht, weil sie so wenig Ahnung hatten vom ganz einfachen Hausgarten, aber recht andächtig ganz radikal Steinerisch vorgehen mit Kuhhorn usw. und Brühe umrühren und recht fest glauben auch daran. Da wusste ich mehr von meiner Mutter, dass man zum Beispiel den ausgewachsenen Zwiebel vom Vorjahr nicht mehr aussetzt, der ist dann eh in der Erde verfault. Aber über deren Honig war ich so erstaunt, weil sie ganz einfach die Bedingung gemacht haben beim Bauern, der ihre umgebenden Wiesen mäht, dass der nie mit Gülle fahren darf und höchstens zwei Mal im Jahr mähen, das Gras teilweise auch liegengelassen wird. Dieser Honig war fast so phantastisch wie jener, den mir ein Freund aus Madagaskar mitgebracht hat. Jener Waldhonig wird von hoch oben in den Bäumen weggenommen. Das getrauen sich nur die echt „wüden Hawara“. Der ist mir heilig. Ich werde hinkünftig wohl auf Bienenwachskerzen verzichten, weil ich das ohnehin nie geglaubt habe. Aber Kerzenlicht ist halt so etwas Schönes. Vielen Dank fürs Lesen. Ich werde mir jetzt Ihren Betrieb ein wenig genauer anschauen. Eine sehr schöne Adventzeit wünsche ich. Johanna Pühringer, Salzburg. jopuehr@gmail.com

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