
Endlich ist er da, der große Tag! Scherer Stefan hat sich angekündigt und ich richte alles her: Stromkabel, Klauenschere, Desinfektionslösung, Behandlungsmittel. Und Getränke! Eine gewisse Nervosität macht sich bemerkbar, bei mir und auch bei den Schafen. Sie merken, dass etwas anders ist und blöken: „Warum gehen wir nicht auf die Weide…?“


Dann ist es soweit. Der Scherer baut seinen Arbeitsplatz im Schatten unter dem Vordach auf und ölt die frisch geschliffenen Messer der Schermaschine. Das erste Schaf, ein ruhiges, altes das die Prozedur schon kennt, kommt dran, wird hingesetzt un binnen weniger Minuten gekonnt von seiner Wolle befreit. Dann noch Klauenschneiden, Behandlungslotion verteilen und Halsband mit Glocke wieder angelegt. Wellness für Schafe!
Eine Freundin hilft mit, zu Zweit muss man besser schon sein. Während ich das geschorene Schaf zurückbringe, legt sie die Wolle, schön nach Tier sortiert, ordentlich auf eine saubere Plane, ca. 4 – 5 Kilogramm je Vlies. Zusammen holen wir das nächste, diesmal ein braunes, das strampelt. Auch das geht gut, Stefan schneidet kein einziges Mal in die Haut. Das vorher braune Schaf ist auf einmal wieder kohlschwarz, und glänzend. Die Sonne hatte im Lauf der Zeit die Wolle ausgeblichen.


Im Stall zurück, wird das Mähe jedesmal lauter. Der Geruch der Geschorenen ist jetzt ein anderer, und Verwirrung herrscht, sogar die Lämmer erkennen ihre Mütter nicht gleich wieder, was einer Katastrophe gleichkommt! Draußen geht es flott weiter, die Wollberge wachsen, jetzt in unterschiedlicher Farbschattierung und Textur. Ich „erkenne“ jedes Schaf. Die graubraune „Coco“ hat mehr Anteil der Rasse Waldschaf und war deshalb schon etwas verfilzt, sodass ihr Vlies bereits wie eine ganze Decke zusammengerollt werden kann; die anderen Vliese sind locker und luftig, lösen sich leicht auf. Gelbliches Wollfett, das Lanolin, ist zu sehen, wenn man genau schaut, auch zu riechen, und unsere Hände und Arme glänzen davon.
Zuletzt ist auch der brave Papa-Bock noch dran und alles klappt gut. Schnell alle Schafe rauslassen auf die Weide; bei grasen beruhigen sie sich bald wieder und fühlen sich offensichtlich wohl ohne den dicken „Pelzmantel“. Es ist heiß geworden. Wir räumen auf und bringen die Wolle unter Dach. Der Schafscherer packt seine Sachen zusammen und fährt zu einem weiteren Stall. Also dann bis nächstes Jahr wieder!








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