Grünspecht Pärchen am Bienenhof nascht im Winter von den Bienenkästen

Der Grünspecht ist einer schönsten, buntesten und lustigsten Vögel Deutschlands. Im Winter malträtiert er allerdings die Bienenkästen.

Der Grünspecht ist einer schönsten, buntesten und lustigsten Vögel Deutschlands. Im Winter malträtiert er allerdings die Bienenkästen.

 

Auf dem Bienenhof macht sich mehr und mehr ein Grünspecht Pärchen bemerkbar. Der lustige Vogel erfreut den Naturfreund durch seine stets gute Laune und Emsigkeit. Er ist sehr auffällig. Sein auffallend schönes pastellgrünes Federkleid ist wunderschön, vor allem durch den starken Komplementärkontrast zu den rubinroten, schwarzen und weißen Kopffedern in den Reichsfarben. Die intelligenten Tiere zeigen sich fast täglich. Die Altväter der Bienenzucht duldeten keine Vögel am Bienenstand, weil sie Angst vor allem wegen Königinnenverlusten hatten. In alten Büchern finden sich Spechte unter der Rubrik „Bienenschädlinge“, doch diese ablehnende Haltung ist in der heutigen Imkerschaft nicht mehr anzutreffen, zumal auch diese Tiere immer seltener werden. Heute Mittag wurde ich von Ruth auf ungewöhnlich lautes, weithin hallendes Pochen aufmerksam gemacht, das vom Bienenstand kam. Sofort setzte ich mich in Bewegung in Richtung meiner Bienenkästen. Da sah ich ihn, den Grünspecht,  schon an der Seite eines Bienenkastens, wo er gerade ein Loch in die hölzerne Kastenwand mit dem Schnabel schlug. Tatsächlich hatte er schon bei ca. 8 Kästen kleine Löcher in die Seitenwände gehackt. Der Grünspecht hat eine sehr lange Zunge, mit der er die Bienen herausfischt, die -durch die Erschütterungen geweckt-  aus dem kleinen Loch herausgucken. Da ich an anderen Bienenständen schon öfters Bekanntschaft mit Spechten gemacht habe, und auch schon ca. 10 Völker im Laufe der Jahre an den Specht verloren habe, entsann ich mich eines einfachen Hilfsmittels. Ich schloss die Löcher einfach mit Fensterkitt (Leinölkitt). Diesen habe ich immer vorrätig für die Ausbesserung von Bienenkästen und natürlich auch zum Einglasen von Fenstern. Dieser Leinölkitt besteht nur aus Leinölfirnis und Kreide. Ein einfaches, aber wirksames Mittel. Wenn allerdings der Specht härter zuschlägt und das Ausbessern mit Kitt nicht mehr ausreicht, helfen Vogelscheuchen wie zum Beispiel raschelnde Glitzerbänder, die die Kästen umflattern. Das letzte Mittel wären Vogelschutznetze, wie sie auch bei Kirschbäumen zum Schutz vor Staren aufgehängt werden. Allerdings wenn er erst einmal auf den Geschmack gekommen ist, müssen die Bienenkästen täglich kontrolliert werden, denn sonst kann es zu bösen Überaschungen kommen. Durch die Erschütterungen können die Bienen nicht mehr zur Ruhe kommen. Es dauert 24 Stunden, bis sich die Bienen nach einem „Anschlag“ wieder beruhigt haben. Kontinuierliche Störungen können die gesamten Vorräte aufzehren, die dann später im Frühjahr, vor allem in der ersten Aprilhälfte dringend benötigt werden.

Der Grünspecht ist wie die Honigbienen eigentlich ein Bewohner des Waldes bzw. des Waldrandes. Zu seinem Biotop gehören eigentlich auch hügelbauende Waldameisen, deren Puppen und auch adulte Individuen er sehr gerne frißt. Leider verschwinden die hügelbauenden Waldameisen rasant und flächendeckend aus unserem Land. Das ist ein großes Drama, das sich da vor unseren Augen abspielt. Deshalb muss sich der grüne Vogel in seiner Ernährung und Lebensgewohnheiten umstellen, und nun versuchen, in menschlichen Siedlungsbereichen Fuß zu fassen. Die Honigbiene muss dann als Ersatz für die fehlenden Waldameisen herhalten. Wer heute meint, einen intakten Wald vor sich zu haben, sollte einmal genauer hinsehen, ob sich dort Kolonien oder Einzelnester der hügelbauenden Waldameisen finden lassen. Denn nur dann ist der Wald eigentlich als intakt zu bezeichnen. Die Waldameisen, der Specht und die Honigbiene fungieren als großartige Biotopindikatoren. Deshalb beobachte und schütze ich Sie, auch wenn es manchmal einen hohen Preis kostet.